Musik

Mit Blaulicht in die Charts

Fünf Jungs aus Kanada mit einem erfrischendem Pop/Punk-Cross. Für Simple Plan gilt eindeutig: „Die tun nix – die wollen nur spielen.“

Das Booklet zu „Still Not Getting Any…“ von Simple Plan lässt interessante Rückschlüsse darauf zu, wie sich die fünf jungen Kanadier selbst sehen. Da sind sie mal als adrett gekleidete Yuppies vor einem ebenso adretten Vorstadthäuschen zu sehen, dann als etwa 50-Jährige, bestens etablierte Geschäftsleute beim Golfen und schließlich als 90-jähriger Altherren-Club samt Rollstuhl und Gehhilfe – die Referenz an den Beatles-Klassiker „When I’m 64“ ist offensichtlich.

„Auf dem letzten Foto sehen wir so aus, als stünden wir mit einem Fuß im Grab“, meint Sänger Pierre Bouvier. „Es soll zeigen, dass wir uns nicht allzu ernst nehmen. Uns macht es auch Spaß, unser öffentliches Image auf die Schippe zu nehmen.“

Kein Netz, kein doppelter Boden

Der Spaßfaktor dürfte ein wesentlicher Grund für den kaum zu erwartenden Erfolg der CD „No Pads, No Helmets… Just Balls“ vor drei Jahren gewesen sein, denn mit unbekümmert draufgängerischem Funpunk avancierte Simple Plan damals schnell zum Liebling der US-College-Radios. Die ungestüme Live-Performance der Gruppe tat ein Übriges, sodass die CD über zwei Millionen Kopien verkaufte.

Dabei ist der Erfolg von Simple Plan kein routiniert eingefädelter Schachzug cleverer Marketingstrategen, sondern Ergebnis eines zweiten Versuchs: Mitte der 90er-Jahre hatten Sänger Pierre Bouvier und Schlagzeuger Chuck Comeau in Montreal bereits die Band Reset gegründet – 1999 entstand dann Simple Plan.

On Tour im Krankenwagen

Ihre ersten Tourneen absolvierten die Fünf in einem ungewöhnlichen Fahrzeug: „Mein Vater besaß zwei alte umgebaute Krankenwagen“, erzählt Bouvier. „Die Sirenen musste er aber ausbauen, weil ich zu viel damit rumspielte.“ Nach dem Erfolg von „No Helmets, No Pads … Just Balls“ können sich Simple Plan inzwischen eine luxuriösere Tourbeförderung leisten – der unbedingte Erfolgswille der Anfangstage ist aber geblieben.

Die inzwischen gesammelten Studio- und Live-Erfahrungen haben sich in den neuen Songs nieder geschlagen: „Still Not Getting Any…“ ist ein Pop-Punk-Album mit schnellen Gitarrenriffs oder getragenen Klavierklängen und erstaunlich reifen Texten.

„Es gibt Songs, zum Beispiel ‚Jump‘ oder ‚Crazy‘, die recht nachdenklich oder düster wirken“, meint Pierre Bouvier, „aber letztlich wollen wir unseren Hörern vermitteln, dass es das Wichtigste ist, seinen Träumen zu folgen, egal wie groß die Widerstände sind. Unser Erfolg ist der beste Beweis dafür.“