Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sagte am 30. April bei einem Besuch des Branchenmeetings an der Mannheimer Popakademie zu, das Land werde den weiteren Ausbau dieser Institution fördern, denn nur ein solcher „mache Sinn“. (Hier geht’s zum O-Ton von Günther Oettinger.) In seinem Grußwort, das fast schon zur Grundsatzrede in Sachen Rock- und Pop-Förderung geriet, meinte Oettinger an die Adresse der Akademieleiter Prof. Udo Dahmen, Dirk Metzger und Hubert Wandjo: „Handwerkliche Kompetenz und erotische Ausstrahlung auf dem deutschen Musikmarkt zu erzielen, das ist Ihr Auftrag.“
Von einer Radioquote halte er zwar nichts, aber vor allem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkmacher sollten auch ihren Beitrag dazu leisten, „dass deutsche Musik eine weitere Verbreitung bekommt“. An Matthias Holtmann von SWR1, den früheren Wellenchef von SWR3, der aktiv am Branchenmeeting teilnahm, richtete Oettinger den Appell: „Ich erwarte von denen, die Programm machen, dass Mannheim und die deutsche Musik ein Faktor ist, von dem man mehr berichtet.“
Oettinger zeigte sich zudem überzeugt, „dass die Musikbranche eine Wachstumsbranche ist und bleibt; sie wird ein globaler und regionaler Markt mit wachsenden Umsätzen sein. Die Zahl der Hörer von Pop und Rock wird von Jahr zu Jahr steigen.“ Dies folgert Oettinger schon aus der demographischen Entwicklung der Bevölkerung: „Und wenn wir alle in 25 Jahren im Altersheim sitzen, dann werden wir – anders als frühere Generationen – immer noch Rock und Pop hören.“ Der Mannheimer Popakademie sagte der Ministerpräsident weitere Förderung von Seiten der baden-württembergischen Landesregierung zu, um eine langfristige Perspektive der Einrichtung zu sichern. „Ich spüre hier eine Aufbruchsstimmung“, meinte er, Mannheim solle für „ganz Europa ein Magnet für gute Ausbildung“ sein. An die Adresse der Studierenden gerichtet sagte Oettinger, ein guter Musiker müsse heutzutage auch „ein guter Manager und Marketingmann“ sein.
Oettinger griff zum Schluss zur elektrischen Gitarre, um mit Udo Dahmen am Schlagzeug „Marmor, Stein und Eisen bricht“ zu spielen. Leider mussten die Besucher des Branchenmeetings aber doch auf diese seltene Live-Darbietung verzichten, da man nicht bedacht hatte, dass Oettinger Linkshänder ist und deshalb mit der Gitarre nicht klarkam – was den Mannheimer Oberbürgermeister Gerhard Widder zur launigen Bemerkung veranlasste, man habe ja nicht ahnen können, dass sich Oettinger auch mal für links entschieden habe. Der Ministerpräsident seinerseits versprach, er werde im nächsten Jahr wieder zum Branchenmeeting kommen und dann eben zwei Songs spielen. Und er werde gleich „noch ein paar Minister“ mitbringen.



