Zum 43. Weltkongress des internationalen Dachverbands der Verwertungsgesellschaften, CISAC (Confédération Internationale des Sociétés d’Auteurs et Compositeurs), trafen sich vom 22. bis zum 25. September Delegierte aus 63 Nationen. Die Teilnehmer waren sich schnell darüber einig, dass der Schutz der Autorenrechte angesichts der fortschreitenden technologischen Entwicklung weiterhin im Zentrum ihrer weltweiten Bemühungen stehen muss. Der britische Songwriter Guy Fletcher gab in seiner Keynote-Rede die Meinung vieler Delegierter wieder: Die Digitalisierung der Welt stelle zwar einerseits eine große Bedrohung dar, eröffne aber andererseits auch enorme Möglichkeiten, so lange sie sich nur effizient überwachen ließe und Autoren die ihnen zustehenden Vergütungen erhielten.
Es stieß bei den CISAC-Mitgiedern auf große Zustimmung, dass mehr Unternehmen als je zuvor aus dem Bereich Medien und Digital Rights Management den Kongress als Plattform für konstruktive Diskussionen mit der Kreativbranche nutzten. Allerdings machte sich auch eine gewisse Frustration breit, da die nationalen Regierungen in den Augen der CISAC-Mitglieder bislang nicht wirkungsvoll auf die Erosion der Autorenrechte reagierten. Die Delegierten forderten deshalb neue Initiativen der Politik zur Stärkung des Urheberrechts. Der britische Kultusminister, Dr. Kim Howells, sprach die hohen Verluste durch Piraterie an: „Wir müssen allen Leuten klar machen, dass es keinen Unterschied zwischen dem illegalen Datentausch im Internet, dem Verkauf von illegalen Kopien des jüngsten Oasis-Albums oder dem CD-Klau im Plattenladen gibt: Das alles ist Diebstahl, und wer darunter leidet, ist der Künstler.“
In seiner Eröffnungsrede als amtierender CISAC-Präsident griff Jean-Loup Tournier die Erfolge der Organisation im weltweiten Kampf für das geistige Eigentum auf. Gleichzeitig kritisierte er massiv den immer noch nicht ausreichenden Schutz der Autorenrechte, gerade im Vergleich zum Schutz von physischen Produkten – dieses Ungleichgewicht zeige sich auch im Vergleich der Einnahmen der CISAC-Mitglieder in Höhe von sechs Milliarden Dollar mit denen der Plattenfirmen in Höhe von 33 Milliarden Dollar. Vor dem Hintergrund der international und national nicht ausreichenden und zu selten wirkungsvoll umgesetzten Urheberrechtsgesetze meinte Tournier: „Die Geschichte des Internets ist das schlimmste Beispiel dafür, wie unsere Regierungen einen potenziellen Killer geistigen Eigentums behandeln. Genauso wie das Konzept des freien Informationsflusses, mit dem die UNESCO in den 40er- und 50er-Jahren literarische und künstlerische Besitztümer untergrub, hat das aktuelle Konzept der Informationsgesellschaft unglücklicherweise erfolgreich zur Aushöhlung des traditionellen Schutzes des geistigen Eigentums beigetragen.“
Er führte weiter an, dass dank der Lobby der Computerindustrie – „die einzigen, die mit dem bestehenden System Geld verdienen“ – auch Gruppierungen wie die WIPO, die Europäische Union, der US-Kongress oder andere mächtige Wirtschaftsnationen an der Schaffung von Marktkonditionen mitgearbeitet hätten, die in unterschiedlicher Weise die Kreativen zu den größten Verlierern der digitalisiserten Wirtschaft machten. Bei der Schlusssitzung der CISAC-Generalversammlung wählte diese GEMA-Vizepräsident Christian Bruhn zum Nachfolger von Tournier als Präsident der CISAC, das Amt des Vizepräsidenten übernahm Hugo Rascón von der mexikanischen SOGEM. Als Präsident des Exekutivbüros wurde Eduardo Bautista bestätigt, sein Stellvertreter ist Brett Cottle von der australischen ARPA.



