Am 13. Dezember verstarb der niederländische Liedermacher Robert Long an Krebs. Long begann seine Karriere in der niederländischen Kabarettszene. Seine Songs wurden in den Übersetzungen von Dr. Michael Kunze in den frühen 80er-Jahren auch in Deutschland sehr populär, vor allem spöttisch-bissige Nummern wie „Feste Jungs“. Sein bekanntestes Album „Homo Sapiens“ kam 1981 auf Platz 27 in den deutschen Longplay-Charts, „Hinter dem Horizont“ brachte es 1986 auf Rang 56.
In Holland und Belgien war Long auch als Fernsehmoderator beliebt, er schrieb Zeitungskolumnen, Fernsehdrehbücher und Bühnenstücke, darunter gemeinsam mit Dimitri Frenkel Frank das erfolgreiche Musical „Tschechow“. Nach einem überstandenen Herzinfarkt hegte er auch für Deutschland wieder Tourpläne. Das Doppelalbum „Seine Lieder“ mit seinen schönsten deutschsprachigen Aufnahmen soll laut Karin Wirthmann (Blue Box Music & Media) nun posthum im Januar 2007 auf seinem eigenen Label Sound Of The Seas erscheinen. Der Vertriebspartner steht noch nicht fest.
Der bekannte Liedtexter Dr. Michael Kunze, der für die deutschen Übersetztungen von Longs Liedern verantwortlich zeichnet, verfasste zur Erinnerung an seinen Freund folgenden bewegenden Nachruf:
„Er war ein Stern am weiten Himmel der europäischen Popmusik. Kein greller Komet, kein blinkender Planet. Klein aber nur deshalb, weil er Lichtjahre entfernt war vom Super- und Megastarkult unserer Wegwerfbranche.
Der Holländer Robert Long verweigerte sich jedem Klischee und jeder Vereinnahmung. Auch ihn führte zunächst seine Begeisterung für Elvis und die Beatles zur Musik. Erste Chartserfolge in den Niederlanden machten ihn als Sänger bekannt. Weil ihn aber die Produktion von Tageshits bald anödete, begann er Lieder zu schreiben, die von seinen eigenen Gefühlen erzählten. Durch zahllose Live-Auftritte in der niederländischen Kabarettszene wurde er rasch zu einem der bekanntesten ‚Liedermacher‘ Hollands.
Seine Musik ist eingängig und unverkrampft emotional. Aus seinen Texten spricht ein kritischer Geist und eine verletzliche Seele. Nichts in seinen Liedern ist gekünstelt oder auf Effekt berechnet. Es gibt keine ehrlicheren Songs.
Das sorgte manchmal für einigen Ärger. Als 1979 seine erste Platte in Deutschland erschien (‚Über kurz oder lang‘), sah sich die EMI zur Zensur genötigt. Einer der Titel (‚Jesus führt‘) missfiel der katholischen Kirche, die sich zu Recht angegriffen fühlte. Ein Wagnis war auch Roberts offener Umgang mit seiner Homosexualität. Dass ein Mann ein Liebeslied für einen anderen Mann sang (‚Warum heulst du denn?‘), war Anfang der 80er-Jahre ein Novum in der deutschen Musikbranche.
Er konnte bitter sein (‚Lebenslänglich‘), ironisch (‚Feste Jungs‘), bissig (‚Morgen sind wir tolerant‘), doch am tiefsten berührte er durch seine leisen Lieder. Sein trotziger Abschied vom Vater, der ihm schmerzhaft fremd geblieben war (‚Pa‘), seine Beschreibung einer tapferen Trennung (‚Stark sein‘) und seine Erinnerung an eine große Liebe (‚Thorbeckeplatz‘) sind bewegende Zeugnisse eines Empfindsamen.
In allem, was er als Künstler und Mensch tat und sagte, war Robert Long authentisch. Das Rollenspiel, die Attitüde und vor allem die Lüge in allen ihren Formen waren ihm verhasst. Wer das Glück hatte, ihm persönlich zu begegnen, lernte einen stillen, freundlichen und hochintelligenten Mann kennen. Sein Blick war offen, sein Lächeln entwaffnend, sein Auftreten bescheiden. Er war, nicht nur wegen seiner 1,92 m einer der Großen.
Robert Long ist am 13. Dezember 2006 an einer Krebserkrankung gestorben. Mag sein, dass die Musikbranche, die ihn ohnehin weitgehend ignorierte, sein Fehlen gar nicht bemerkt. Doch für die vielen, die ihn kannten und nicht vergessen werden, hat sich der Himmel verdunkelt.“




