Musik

Metamorphosen eines launischen Poeten

In Deutschland wurde seine letzte CD mit Gold prämiert. Auf seinem neuen Album „Jacket Full Of Danger“ präsentiert sich Adam Green nun als äußerst charmanter Geschichtenerzähler.

Wie bereits bei „Gemstones“ reichen Adam Green auch bei „Jacket Full Of Danger“ 30 Minuten, um seine Sicht der Dinge zu erzählen. Für jemanden, der in den vergangenen zwölf Monaten nach eigenem Bekunden mehr erlebt hat als jemals zuvor, ist das eine reife Leistung.

Dabei hat ihn der durchschlagende Erfolg von „Gemstones“, vor allem in Deutschland, ebenso überrascht wie viele seiner langjährigen Fans. „Natürlich habe ich als Kind davon geträumt, auf Tournee zu gehen und viele Platten zu verkaufen“, sagt er. Dass diese Träume aber einmal in Erfüllung gehen könnten, hat Adam Green nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Trotzdem ließ er sich davon nicht sonderlich beeindrucken. „Ich kann mit meinem Erfolg inzwischen ganz gut umgehen.“

Learning by Doing

Und trotz der von Platte zu Platte zunehmenden Erwartungshaltung konnte auch er sich stets noch steigern. „Bei ‚Friends Of Mine‚ erkannte ich erstmals, in welche Richtung ich als Songwriter wirklich gehen wollte“, erzählt Adam Green. „Auf ‚Gemstones‘ experimentierte ich dann mit unterschiedlichen Rhythmen und Stilen. Außerdem wollte ich allen zeigen, dass ich auch ohne Streicher arbeiten kann und meine Songs dann immer noch so klingen wie von mir.“

Auf „Jacket Full Of Danger“ wollte er seine Stücke nun so natürlich wie nur möglich klingen lassen – ein ebenso simples wie schwer umzusetzendes Vorhaben. „Ich habe bei den letzten zwei Produktionen viel gelernt. Heute fällt es mir wesentlich leichter, Beats und Melodien miteinander zu verbinden, ohne mich dabei zu verkrampfen. Die Songs klingen nicht mehr so, als würde harte Arbeit dahinterstecken, obwohl das natürlich nach wie vor der Fall ist.“

Von der Band unterstützt

Einen entscheidenden Beitrag zu dieser Entwicklung lieferte auch seine Band, bestehend aus Nathan Brown (Piano), Parker Kindred (Schlagzeug), Chris Isom (Gitarre) und Steven Mertens (Bass), mit der er seit der „Friends Of Mine“-Tournee 2004 zusammenspielt. „Wir pflegen eine sehr enge Arbeitsbeziehung. Sie sind alle sehr gute Musiker, die mir immer wieder dabei helfen, meine Ideen so umzusetzen, wie ich es mir vorstelle.“

Adam Green setzte sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder neue Ziele. „Es ist gut, nach neuen Herausforderungen zu suchen. Man darf es damit nur nicht übertreiben.“

Musikalisch entwickelt

Auch wenn „Jacket Full Of Danger“ musikalisch deutlich näher an „Gemstones“ als bei „Friends Of Mine“ liegt, kann Adam Green die Kritik, er habe sich seit dem letzten Album kaum weiterentwickelt, nicht verstehen: „Ich habe mich persönlich sehr stark verändert.

Es wäre doch schizophren zu versuchen, ein Album mehr oder weniger noch einmal aufzunehmen, das in einer ganz anderen Lebenssituation entstanden ist. Für mich ist die Entwicklung bei jedem Song deutlich zu hören. Vor allem mein Gesang ist viel besser geworden.“

Von Beat Happening inspiriert

Neben 14 Eigenkompositionen wagt er sich diesmal auch an eine ganz besondere Coverversion heran, an „Cast A Shadow“ von Beat Happening. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie mein Leben ohne diese Band verlaufen wäre“, gesteht er. Als Kind hatte er sogar die Telefonnummer von Kelvin Johnson, dem Songwriter der Gruppe.

„Ich habe ihn einmal angerufen, und er zeigte sich sehr an meiner Musik interessiert. Damals hatten Kimya Dawson und ich gerade das erste Album der Moldy Peaches fertiggestellt, das Kelvin dann in seinen Vertrieb aufnahm.“