Egal ob es um ihre Homosexualität, ihre politische Einstellung oder um ihre aktuelle Gemütsverfassung geht -die zweifache Grammy-Gewinnerin aus Leavenworth, Kansas, schenkt ihren Hörern stets reinen Wein ein. Das gilt vor allem auch für die zehn Titel ihrer neuen CD „Skin“ (Best.-Nr.: 548 661-2): ein Album wie ein Seelen-Striptease.
In Songs wie „The Prison“, „Please Forgive Me“, „Lover Please“ oder „Heal Me“ macht die Sängerin, die wegen ihrer rockigen Attitüde gerne als „weiblicher Bruce Springsteen“ bezeichnet wird, unverhohlen klar, dass sie schwere Zeiten hinter sich hat. Der Grund: Die Trennung von ihrer langjährigen Lebensgefährtin Judy Cypher. „Ich habe die Songs geschrieben, ohne dass ich sie ursprünglich veröffentlichen wollte“, verrät die in Los Angeles lebende Künstlerin im Gespräch mit musikwoche.de, „es war für mich eine Art Therapie. So konnte ich das Ganze irgendwie verarbeiten, ohne zu verbittern.“
Herausgekommen sind dabei Songs im Grenzbereich zwischen Rock, Folk und Country. Mal intim und leise, mal energisch und optimistisch. Das Wechselbad der Gefühle hat die Sängerin, die es in ihrer Karriere auf über 25 Millionen verkaufter Tonträger gebracht hat, nahezu vollständig alleine eingespielt und zusammen mit David Cole (Bob Seger, *NSYNC) produziert. „Ursprünglich sollte,Skin“ ein akustisches Solo-Album werden“, bemerkt Etheridge, „doch dann habe ich zum ersten Mal mit Pro-Tools experimentiert. Die Möglichkeiten haben mich fasziniert, und so habe ich nach und nach elektronisch verstärkte Instrumente hinzugefügt.“
Somit ist „Skin“ das vielleicht erste echte Melissa-Etheridge-Solo-Album. Dass die intimen Bekenntnisse nun einem Millionenpublikum zugänglich sind, macht ihr keine Angst. Im Gegenteil: „Die Leute wissen bereits sehr viel über mich, und es ist nur die Wahrheit. Wie könnte mich die Wahrheit verletzen?“ Ihre schonungslose Offenheit machte nicht mal halt, als sich das Paar Cypher/Etheridge ihren Kinderwunsch mittels einer künstlichen Befruchtung erfüllte. Der organische Vater der beiden Kinder war Rock-Veteran David Crosby.
Statt auf Geheimniskrämerei setzte das Promi-Trio auf die Flucht nach vorne – in Form einer Titelstory im Rolling Stone. „Das war definitiv der richtige Weg“, sagt Etheridge, fügt aber dann doch hinzu: „Allerdings habe ich mir einiges anhören müssen, warum es ausgerechnet David Crosby hat sein müssen. Dabei ist David ein wunderschöner Mann. Meine Kinder sind ihm jedenfalls aus dem Gesicht geschnitten – und das ist auch gut so.“
Mercury unterstützt die Veröffentlichung mit einer breitangelegten Funk-Kampagne mit über 100 Spots auf allen relevanten Sendern sowie Anzeigen in den August-Ausgaben des „Rolling Stone“, „Emma“, „Lespress“ und „Queer“.



