Das Schlimmste, was einer Band passieren kann, ist der musikalische Stilstand. Um allen Tendenzen in dieser Richtung vorzubeugen, ruhten sich The Robocop Kraus auch diesmal nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern setzten von Anfang an klar auf eine Veränderung ihrer bewährten Klangästhetik.
Der überraschende Ausstieg von Bassist Tobias Helmlinger im Dezember 2006 tat ein Übriges, damit bei den Aufnahmen in Hamburg, bei denen Tobias Levin als Co-Produzent fungierte, wieder genug kreatives Chaos herrschte. „Als wir mit dem Schreiben von neuen Songs anfingen“, erklärt Schlagzeuger Hans Christian Fuss, „wussten wir noch nicht genau, wohin die Reise diesmal gehen sollte. Wir wussten viel eher, was wir auf keinen Fall machen wollten: das letzte Album,,They Think They Are The Robocop Kraus‘, zu kopieren.“
Erfolg in Übersee
Diesmal sollte alles viel freier klingen, mit mehr Details versehen sein, wie Fuss erklärt, und nicht so fokussiert wie bei der letzten Platte. Und genau das ist der Formation mit den zwölf neuen Songs auch gelungen. „Unser Antrieb war einfach, selbst wieder ein Stück besser zu werden und als Band voranzukommen.“ Die Entscheidung, beim neuen Album wichtige Veränderungen vorzunehmen, reifte während der vielen Konzertreisen im vergangenen Jahr: „Uns ging es vor allem darum, die Sache für uns selbst spannend zu halten.“
Auf die Tournee mit Art Brut in den USA blickt Hans Christian Fuss sehr positiv zurück: „Es war ja nicht unsere erste Tournee, die wir dort gespielt haben. Doch insgesamt war es eine überraschend positive Erfahrung. Die Konzerte waren sehr gut besucht, und das Publikum hat uns gut aufgenommen.“
Robocop bleibt Robocop
Trotz dieses Erfolgs will sich die Band jetzt aber erst einmal auf Europa konzentrieren, denn „um in den USA etwas zu bewegen, müsste man dort schon zwei- oder dreimal im Jahr auf Tournee gehen“. The Robocop Kraus haben sich gerade in Europa durch ihre große Live-Präsenz in Ländern wie Spanien, England und Frankreich inzwischen eine getreue Gefolgschaft erspielt. Kein Wunder also, dass „Blunders And Mistakes“ über das Label Anti- europaweit veröffentlicht wird. The Robocop Kraus sind eben auch auf europäischer Ebene keine Unbekannten mehr.
Schmerzlich war es für die Band, den Ausstieg von Tobias Helmlinger zu verkraften, den man nach kurzer Suche durch Peter Tiedeken ersetzte. „Wir haben uns sogar überlegt, ob wir überhaupt noch als Robocop Kraus weitermachen sollen, oder ob wir die Neuausrichtung mit einer Umbenennung begleiten,“ sagt Fuss. „Wir waren uns aber dann recht schnell einig, dass unser Name eine solche Veränderung mittragen würde.“
Live ist live
Der neue Bassist Peter Tiedeken war allerdings kein unbeschriebenes Blatt: „Wir kannten uns schon sehr lange, wussten aber nicht, dass er auch Bass spielt.“ Viele der neuen Lieder entstanden bereits zusammen mit Tiedeken. „Wir schreiben die Songs als Kollektiv, bei uns gibt es keinen klassischen Songwriter. Zudem arbeiten wir am besten, wenn die Deadline bereits in Sicht ist“, erklärt Fuss.
The Robocop Kraus spielten ihr neues Album größtenteils live ein: „Wir haben Verstärker und Schlagzeug in einen Raum gepackt und losgelegt.“ Das Ergebnis gibt der Band recht, denn „Blunders and Mistakes“ klingt ungemein frisch und ist doch typisch für diese Formation, die es noch immer ausgezeichnet versteht, ein hymnisches Liedchen ans nächste zu reihen.


