Nur rund jeder 20. Teilnehmer der Abstimmung ließ sich zur scherzhaften Antwort animieren, die Echos würden 2004 aus Spargründen per Post versandt. Gleichauf lag die ebenfalls nicht ganz ernst gemeinte Antwort, Echo 2004 solle in Eggenfelden über die Bühne gehen, weil Daniel K. keinen Führerschein hat. Den kann er bis Februar 2004 schließlich noch machen. Noch weniger Clicker, nämlich 4,5 Prozent, sehen die Preisverleihung als Kombiveranstaltung „PopkommEchoComet“ in Köln.
So zeichnete sich denn auch im Abstimmungsergebnis die Rivalität zwischen Hamburg und Berlin ab, wobei die Mehrheit eindeutig ausfiel. Auch wenn viele leidenschaftliche Hamburg-Lobbyisten aktiv wurden – nur jeder Fünfte sprach sich für Hamburg aus.
Einer davon ist Christian Mörken, A&R/Marketing Tru Note Records in Hamburg: „Etwas, was Deutschland, beziehungsweise die BRD, über all die Jahre ausgezeichnet hat, war der Föderalismus, der dazu beitrug, dass sich eben nicht alles in einer Stadt konzentrierte, sondern über das Bundesgebiet aufteilte. Das war und ist gut so, und deshalb sehe ich auch keinen Grund, warum nun die gesamte Medien-, Entertainment- und Kulturbranche wie eine Karawane nach Berlin pilgern sollte. Das gilt auch für den Echo und führt (wie sich zeigt) nur dazu, dass Berlin den Echo mittlerweile als nur eine unter diversen hochkarätigen Veranstaltungen begreift. In Hamburg hingegen wäre es ein Highlight, dem die angemessene Aufmerksamkeit zukäme.“
Ähnlich argumentiert Ulrike Schönknecht, Inhaberin artiservants music & business und Initiatorin des Band Market Deutschland mit Sitz in Hamburg: „Als Bonn noch Regierungshauptstadt war, ließ sich kaum eine Abwanderungstendenz von Unternehmen der Unterhaltungsindustrie, geschweige denn von Awards nach dorthin feststellen, oder? Hamburg wird nicht umsonst als,Tor zur Welt‘ bezeichnet, und es hat sich als,Echo-City‘ bewährt. Für einen Preis von diesem internationalen Format bleibt die Hansestadt an der Elbe der ideale Austragungsort.“
Dieser Einschätzung widerspricht Ina Keßler, Business Development Music bei der Wirtschaftsförderung Berlin GmbH, vehement: „… natürlich muss der Echo in Berlin bleiben! In Berlin freuen sich in direkter Nähe 6,4 Millionen Hörer mit ihren Stars, es berichten 73 nationale und internationale Fernseh- und 57 Radiostationen, weit über 600 Pressebüros, acht internationale Nachrichtenagenturen. Schließlich wird in über 200 Clubs noch richtig abgetanzt.“
Der Hamburger Musikproduzent Mirko von Schlieffen (Schiller) stimmt, wen wundert’s, „für Hamburg. Wir brauchen mehr Stimmung bei der Verleihung und bei den Live-Auftritten der Stars. Wir müssen in eine Location umziehen, die es uns erlaubt, mehr Fans reinzulassen. Mit der Color Line Arena haben wir die modernste Halle Europas. Außerdem werden in Hamburg die meisten nationalen Hits produziert, also gehört auch die Verleihung nach Hamburg.“
Mit Georg F. Löffler, Geschaftsführer ebam GmbH, Business-Akademie für Medien, Event und Kultur, und Geschäftsführer GLM Musikverlag, meldet sich auch ein Münchner besonnen zu Wort und plädiert für Berlin: „Auch wenn die Color Line Arena in Hamburg mittlerweile sicher bundesweit eine der attraktivsten Locations darstellt, so gehört ein solches Event in die Bundeshauptstadt. Darüber hinaus hat Berlin trotz Berlinale und Demonstrationen bewiesen, dass es in der Lage ist, mehrere Großveranstaltungen an einem Wochenende erfolgreich umzusetzen. Warum also einen Schritt zurück machen?“
Knapp 67 Prozent waren letztlich der Meinung, der Echo müsse an der Spree bleiben. Und so geht das letzte Wort an Yvonne Rahn von der zentralen Reservierung der HEWA-Hotels: „Der Echo 2004 muss in Berlin stattfinden! Dieses Jahr habe ich es leider verpasst, Karten zu besorgen, doch nächstes Jahr bin ich dabei.“ Alsdann.



