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Medien- und Buchhandelskette will Vergleich beantragen: Rettberg nicht mehr Vorstandschef bei Libro

Die börsennotierte Medienhandelskette Libro AG geht in den Vergleich. Die Mehrheitseigentümer gaben ihre Anteile an Dr. Gottwald Kranebitter als Sanierungsbeauftragten ab. Außerdem trat Libro-Vorstand André M. Rettberg zurück.

Um der Libro AG ein gerichtliches Vergleichsverfahren zu ermöglichen, traten die Telekom Austria AG, Unternehmens Invest AG und die Deutsche Beteiligungs AG, die zusammen 50 Prozent plus eine Aktie an der Medienhandelskette hielten, ihre Anteile am 29. Juni ab. Als Sanierungs-beauftragten bestimmten sie Dr. Gottwald Kranebitter von der KPMG, nach Firmenangaben eines der weltweit größten Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Kranebitter verfügt über eine Finanzierungszusage über 300 Millionen Schilling – umgerechnte knapp 43 Millionen Mark – durch die Banken. Die Eröffnung des Vergleichsverfahrens soll die Weiterführung der Geschäfte der Libro AG ermöglichen. Laut Libro sei dieser Schritt die beste Möglichkeit, „bei größtmöglicher Rechtssicherheit den Unternehmensfortbestand und die überwiegende Mehrheit der Arbeitsplätze zu sichern“.

Dennoch informierte Libro parallel zur Einleitung des Ausgleichsverfahrens 140 Mitarbeiter der Gruppe über eine beabsichtigte Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Hierbei handelt es sich laut Libro um eine reine Vorsorgemaßnahme. Bereits zehn Tage zuvor hatte Libro 310 Angestellte vorgewarnt. Gleichzeitig nahm der Libro-Aufsichtsrat den Rücktritt der Vorstände André M. Rettberg und Otto P. Arbeiter an. Konzerngründer Rettberg hatte bereits kürzlich seinen Posten bei der Libro-Tochtergesellschaft Lion.cc niedergelegt. Arbeiter dagegen war erst Anfang Juni als erfahrener Krisenmanager zum Nachfolger des Finanzvorstands Werner Steinbauer berufen worden. Steinbauer wiederum gehört nun als Sprecher dem neu berufenen Vorstandsteam mit Bernhard Chwatal, Dr. Karl Kronsteiner und Gerhard Maierhofer an.

Das österreichische Nachrichtenmagazin „Format“ berichtete zwischenzeitlich von einem Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger, laut dessen sich die Libro-Krise bereits seit dem Geschäftsjahr 1997/1998 anbahnte: Seit diesem Jahr seien die Umsätze der Libro-Standorte nach unten gegangen. Nach Informationen von Brancheninsidern soll Libro bei einzelnen Plattenfirmen mit bis zu 40 Millionen Schilling – umgerechnet rund 5,68 Millionen Mark – in der Kreide stehen. Für den 5. Juli kündigte die Libro AG zudem eine Pressekonferenz an, in deren Rahmen die Sanierungsstrategie weiter erläutert werden sollte.