Musik

Mawa: WDR-„Rockpalast“ erscheint ab 2003 als DVD-Reihe

Nach fast zwei Jahren Verhandlungen veröffentlicht Mawa Film + Medien Anfang Januar die ersten „Rockpalast“-DVDs. Das Angebot reicht von Künstler-Porträts über „Rockpalast“-Nächte, Themen-Compilations bis hin zu Neu-Mitschnitten.

“Uns geht es hier nicht um eine handelsübliche Backkatalog-Vermarktung, die schnell auf den Markt geworfen wird. Hier soll eine hochwertige DVD-Serie ins Leben gerufen werden, die auch noch in einigen Jahren begeistert“, schwärmt Oliver Helwig, Director Licensing & A&R bei der Potsdamer Produktonsfirma Mawa Film & Medien, im Gespräch mit musikwoche.de. „Wir sind redaktionell an das Thema herangegangen und können so den Rockpalast-Fans und allen Musikbegeisterten einen echten Mehrwert bieten.“ Dafür und für den Anspruch des Projekts steht vor allem Peter Rüchel. Er ging zwar in diesem Jahr im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand, stand aber dem Mawa-Team um Helwig und Daniel Heerdmann als Produktmanager zur Verfügung. „Besonders wichtig ist, dass Peter als Executive Producer absolut hinter dem Projekt steht und aktiv an den DVD-Produktionen mitwirkt. Auch dadurch unterscheiden wir uns von den anderen Katalogvermarktern. Wir sind mit großer Liebe zum Detail vorgegangen und konnten zudem auf Peters persönliche Erinnerungen und Erfahrungen zurückgreifen“, berichtet Helwig. So enthalten alle Discs in Form von so genannten „Eventographien“ exklusive Behind-The-Scenes-Infos. Auch dadurch will sich Mawa von der bisherigen Backkatalog-Aufarbeitung im DVD-Bereich abheben. „Peters Kommentare und Anekdoten heben sich von den üblichen Künstlerbios ab, die auch im Internet schneller und besser zu finden sind.“ Die langfristig angelegte DVD-Serie, bei der pro Jahr 15 bis 20 Titel erscheinen sollen, gliedert sich in vier Bereiche: Das erste Segment bilden die Einzelauftritte aus dem reichhaltigen „Rockpalast“-Archiv, das mittlerweile auf über 25 Jahre zurückgreifen kann. Dabei plant Mawa, verschiedene Auftritte eines Künstlers aus mehreren Jahren auf einer DVD zusammenzufassen. So enthält etwa die für Ende Januar geplante Doppel-DVD des irischen Gitarristen und „Rockpalast“-Legende Rory Gallagher über sechs Stunden Material, darunter zwei komplette Konzerte, diverse Jam-Sessions und eine Dokumentation. Die zweite Reihe innerhalb der „Rockpalast“-Serie bilden die vollständigen „Rockpalast“-Nächte aus der Grugahalle in Essen, für die die Rechteverhandlungen zum Teil noch laufen. Drittes Segment sind bestimmte Themen-Compilations, die entweder zeitlich oder inhaltlich definiert sein können. Schließlich sollen auch Neuproduktionen entstehen, bei denen Mawa Konzerte mitschneidet. Gerade diesem Bereich misst Helwig große Bedeutung zu: „Wir wollen kein staubiges Archiv, sondern ganz bewusst auch Impulse im aktuellen Musikgeschehen setzen und uns an der heutigen Zeit orientieren, so wie das die Sendung auch tut. Dabei ist uns klar, dass wir einen Spagat wagen zwischen den Rockpalast-Klassikern und neueren Produktionen.“ Beispiel hierfür wäre eine Kooperation mit dem John-Lennon-Förderpreis, bei der als Preis ein paar Songs einer Newcomer-Band auf eine „Rockpalast“-DVD kommen könnten.

„Live At Rockpalast“ – Die ersten Veröffentlichungen

Rory Gallagher Roger Chapman Thin Lizzy Huey Lewis & The News Southside Johnny & The Asbury Jukes

Mit besonderer Spannung erwarten die zahlreichen Fans des europaweit etablierten und sogar in Amerika bekannten „Rockpalast“ die alten klassischen Konzerte aus den 70er-Jahren, was der Vermarktung sehr entgegen kommt, so Helwig: „Die heutigen Besitzer von DVD-Playern passen perfekt zur Zielgruppe der ‚Rockpalast‘-DVDs. Denn die Gruppe der ab 30-Jährigen kann jetzt all ihre Erinnerungen an die alten Rockpalast-Nächte wieder aufleben lassen – zudem mit einem großen Mehrwert. Denn wir sind mit viel Liebe und Fleiß zu Werke gegangen und haben vor allem bei der Nachbearbeitung des Materials bei Bild und Ton höchste Qualitätsansprüche gestellt. Gleichzeitig haben wir aber Wert darauf gelegt, den Touch des Zeitdokuments nicht zu verlieren.“

So verwendete Mawa bei der Überarbeitung eines Gallagher-Konzerts 19 verschiedene Quellbänder und nutzte die Radio-Stereomitschnitte des WDR wie auch die Bänder aus dem WDR-Ü-Wagen. Dabei entdeckte das Mawa-Team bei dem voraussichtlich noch im Januar zur Veröffentlichung anstehenden Auftritts von Thin Lizzy eine halbe Stunde vergessenes Material, das nie im Fernsehen gezeigt worden war. Als dritter Kooperationspartner des Projekts ist die Fernsehallianz, der Rechteverwalter der öffentlich-rechtlichen Anstalten, beteiligt. Mit diesem Partner führt Mawa noch Gespräche über den Vertriebspartner. Am POS werden Aktionen die „Rockpalast“-Discs bewerben, und auch eine Marketingkampagne sowie umfangreiche Pressearbeit begleiten das Projekt. Zudem wird Peter Rüchel bei einer Interviewtour Rede und Antwort stehen.