musikwoche.de: Welche Bedeutung hat der Comet in den sechs Jahren seines Bestehens für Viva erlangt?
Martina Bruder: Für uns ist der Comet der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Jahres. Das liegt an der Doppelstruktur der Veranstaltung: Zum einen haben wir die Bühnenshow, zum anderen bildet der Comet unsere große Branchenparty. Auf diese Weise können wir die beiden Branchen, mit denen wir zu tun haben – also die Musik- wie auch die Werbeindustrie – sowie die Künstler und die Medienpartner zusammenbringen. Hinzu kommt, dass all dies vor dem Hintergrund der Popkomm. geschieht.
mw: Wie ist die Gewichtung zwischen der Publikums- und der Branchenbedeutung des Cometen?
Bruder: Ich würde dem zwei völlig unterschiedliche Perspektiven geben. Die On-Air-Show ist primär für die junge Zielgruppe da. Es ist schön, dass wir die Viva-Branchenparty da andocken können. Die Bühnenshow richtet sich ganz auf unsere Zuschauer, aber hier merkt man schon, wie sich das überdeckt, denn unsere Gäste stellen auch unsere Zielgruppe. So haben wir auf der Bühne B2C, während die Party einen klassischen Fall von B2B darstellt.
mw: War diese Verbindung in Köln leichter herzustellen oder ist für die Zukunft wieder ein mobiler Comet denkbar, wie zuletzt in Hannover?
Bruder: Das möchte ich nicht ausschließen, weil wir im Rahmen unserer Internationalisierung immer wieder damit kokettieren müssen, die Veranstaltung irgendwann in einer anderen europäischen Hauptstadt zu veranstalten. Andererseits ist die Bedeutung des Cometen auf der und für die Popkomm. enorm. Wenn er nicht stattfindet, sagt man: Da fehlt was. Oder andersherum: Die Popkomm. bringt auf natürliche Art und Weise all die Menschen zusammen, die wir auf dem Cometen zusammenführen wollen. Das passt symbiotisch zusammen.
mw: War das eine Erfahrung, die man aus Hannover im vergangenen Jahr mitgebracht hat?
Bruder: Hannover war bedingt durch die EXPO eine Ausnahme. Denn ohne die Weltausstellung und ihre Plattform für Weltkommunikation hätten wir keine Veranlassung gehabt, nach Hannover zu gehen. Aber dieses eine Jahr hat unsere Grundsatzentscheidung nicht revidiert, auch wenn es uns auf der PR-Ebene gut getan hat. Als Ausflug betrachten wir das als sehr erfolgreich, auch wenn viel für die Beheimatung Popkomm./Viva/Comet/Köln spricht. Für einen Cometen etwa in Hamburg gäbe es jedoch keine Motivation.
mw: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Cometen von 1995 bis heute?
Bruder: Er wird jedes Jahr wichtiger, für uns und für die Branche. Dennoch spüren wir natürlich den Schatten der MTV Awards. Da muss sich jeder auf seine Stärken besinnen. Auf der einen Seite haben wir immer noch die globale, auf der anderen Seite die lokale Marke, die aber als Marktführer die große Power hat. Beide Events sind sauber nebeneinander positioniert, ohne so zu tun, als ob sie das gleiche leisten könnten.
mw: Worin genau liegen die Unterschiede?
Bruder: Die Stärken des Cometen sind deckungsgleich mit den Markenstärken: Viva steht für Nähe, Wärme, direkte Ansprache – ganz getreu dem Motto „Viva liebt dich“. Die MTV Awards sind natürlich immer ein Mega-Event, aber dadurch natürlich auch weiter weg: von den Künstlern, den Gästen und der Zielgruppe. Der Comet verfügt nun aber über die Viva-Kernstärken „freundschaftlich“ und „nah“. Das gilt sowohl für die Zuschauer, die Künstler als auch für die Branche. Denn die Atmosphäre der Viva-Branchenparty gibt es bei den MTV Awards in dieser Form nicht. Auf diese Weise können wir unsere Stärken ausspielen: Lokalität und Nähe. Bei uns geht es darum – bei der Zielgruppe wie auch bei unseren Geschäftspartnern -, Kontakte zu pflegen und Spaß zu haben.
mw: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem ZDF?
Bruder: Wir ziehen ein sehr erfreuliches Fazit. Beim ersten Mal war es noch so, dass alle spürten, hier begegnet der kleine Guerilla-Sender dem großen Öffentlich-Rechtlichen. Das hat jedoch sehr gut funktioniert, wenn auch anfangs mit einem Lernprozess auf beiden Seiten. Aber man hat es im vergangenen Jahr in Hannover gesehen: Die Professionalisierung, die wir beim Cometen erreicht haben, hätte keiner der Partner ohne den anderen leisten können. Und da steht das ZDF für eine ungeheure Produktionskapazität bei Logistik und Direktive, Viva natürlich für das zielgruppennahe, schnelle und witzige Handling. Inzwischen sind beide Teams aufeinander eingegroovt, besonders bei der Produktion hinter der Bühne. Und wenn man sich an den Cometen aus Hannover erinnert – wir hätten aus eigener Kraft so eine Show nicht hinstellen können und das ZDF nie so eine Atmosphäre schaffen können. Übrigens war letztes Jahr die ZDF-Ausstrahlung auch viel „vivaesker“ geschnitten und produziert als im ersten Jahr.
mw: Betrifft die Zusammenarbeit auch den redaktionell-konzeptionellen Bereich?
Bruder: Es gibt eine redaktionelle Zusammenarbeit, die sehr befruchtend ist, wenngleich die Nähe zu den Künstlern eindeutig unsere Stärke ist. Man darf jedoch nicht unterschätzen, dass sich die Marken hier eine große gegenseitige Promotion-Fläche bieten. Das ZDF ermöglicht uns – mit einem hervorragenden Ausstrahlungsplatz – eine Zielgruppenansprache, wie sie Viva allein nicht realisieren kann. Auf der anderen Seite verhelfen wir dem ZDF zu einer Juvenilität, die es aus eigener Kraft nicht schaffen würde.
mw: Was bedeutet das für die jeweiligen TV-Verwertungen?
Bruder: Der Comet gehört natürlich originärer zu Viva, weshalb wir ihn auch in vielen Sendungen aus allen Blickwinkeln präsentieren. Bei der Zusammenstellung der Aufzeichnungen vom Event gibt es bestimmte redaktionelle Absprachen, im Grunde verfährt aber jeder autonom. Das ZDF muss sein Publikum bedienen, wir das unsere.
mw: Wird es einen Live-Stream unter www.viva.tv geben?
Bruder: Ja. Wir haben lange gezögert, denn das ist mit einigem technischen und finanziellen Mehraufwand verbunden. Aber wir haben viel in unseren Internetauftritt investiert, und im Gegensatz zu einer TV-Live-Übertragung, die weder leistbar noch wünschenswert wäre, soll und kann man das online sehr gut umsetzen.
mw: Spielt da die Unsterstützung der Sponsoren eine wichtige Rolle?
Bruder: Wir sind mächtig stolz, dieses Jahr für den Cometen drei Markenartikler und Astra als Sponsoren gefunden zu haben, wobei Henkel mit Schwarzkopf neu dabei ist und mit ihrer Produktpositionierung auch hervorragend dazu passt. Und auch Nokia sowie debitel sind erstmals dabei. So viele Partner hatten wir noch nie, wobei es seitens der Industrie noch mehr Anfragen gab. Aber bei noch mehr Sponsoren würde sich die Wirkung für die Partner wie auch für die Zuschauer verwässern. Die Unterstützung der werbetreibenden Industrie reflektiert allerdings die Anerkennung, die der Comet als Markt- und Branchen-Ereignis gefunden hat.
mw: Vor zwei Jahren gab es noch eine Comet-Kategorie für Branchen-Leistungen.
Bruder: Anders als beim Echo geht es bei uns nicht so sehr um die Branchen-Eigenleistung, denn der Comet ist für den Zuschauer gemacht. Und auch die Branche kann sich hier wieder als Zuschauer und als Konsument verstehen – ein glückliches Nebenprodukt des Cometen.
zur person
Martina Bruder
Geschäftsführerin Viva Fernsehen
Geboren am 10. Januar 1963 in Jügesheim, verheiratet
Martina Bruder studierte in Frankfurt und England Anglistik und Germanistik und schloss ihr Studium mit dem Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Anschließend besuchte sie eine Fortbildung im Fach Medienmarketing in Stuttgart. Von 1991 bis 1994 war die Hessin danach bei der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag in Frankfurt/Main tätig, wo sie unter anderem die Leitung Verkaufsförderung und Vertriebswerbung bei den Gastronomischen Fachzeitschriften innehatte. Bruder war anschließend in Frankfurt/ Main und München bei NBC Europe (General Electric) als International Salesmanager NBC und CNBC Europe beschäftigt und verantwortete unter anderem die Kooperation mit der MGM MediaGruppe München. Bis zu ihrem Einstieg bei Viva Fernsehen am 1. Juli 1999 war Martina Bruder als International Sales Director Europe bei dem weltweit operierenden Wirtschaftsnachrichten-Sender CNBC International (General Electric/Dow Jones) tätig. Seit Juli 2000 ist sie Mitglied der Geschäftsführung der Viva Fernsehen GmbH und verantwortet die Geschäftsführungsbereiche Vertrieb, Personal, Grafik, Station Promotion, Programm und Recht. Ihre Aufgabenbereiche umfassen neben dem Media-Verkauf der beiden Kanäle Viva und Viva Zwei auch den Aufbau des gesamten Vertriebs der Internet-Werbung für www.viva.tv. Zudem zeichnet Martina Bruder für den Absatz der Viva-Sender im Ausland verantwortlich.



