Musik

Madredeus – Kulturbotschafter zwischen Klassik und Folk

Auf ihrem siebten Studioalbum, „Um Amor Infinito“ (Capitol/EMI), findet Portugals prominenteste Musikgruppe zur Bestform ihrer Anfangszeit zurück. Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land beschert Madredeus zusätzliche Präsenz im Fernsehen.

“Vor uns gab es keine international erfolgreiche Gruppe aus Portugal“, unterstreicht Pedro Ayres Magalhães, Gründer und Gitarrist der Gruppe, stolz die Pionierleistung von Madredeus. „Unser Ziel war es, eine portugiesische Musik zu kreieren, die auch Menschen aus anderen Ländern anspricht.“ Das ist zweifellos gelungen.

Seit 15 Jahren sind Madredeus nun schon Portugals erfolgreichster Musikexport. In Deutschland sorgte Wim Wenders mit seinem Road Movie „Lisbon Story“1995 für einen Popularitätsschub und volle Konzerthäuser. Und zur Fußballeuropameisterschaft in Portugal werden Salgueiro und Magalhães in diversen Beiträgen beim ZDF fester Bestandteil des Rahmenprogramms sein, wenn die kulturellen Besonderheiten ihrer Heimat vorgestellt werden. Zehn Kurzporträts mit Madredeus sind fest geplant.

„Wir arbeiten mit einfachsten Mitteln wie klassische Gitarre, Guitarra Portu- guesa, Keyboards und Stimme, verzichten aber komplett auf Drums und Percussion“, umreißt Magalhães den Sound der Gruppe. Jeder Ton der akustischen Klanggemälde verweist auf die Wurzeln der 1986 gegründeten Band: Unwillkürlich assoziiert man die stimmungsvollen Lieder aus dem Niemandsland zwischen Klassik, Folklore und Chanson mit ihrer Heimatstadt Lissabon. Die portugiesische Tradition des Fado-Gesangs verbindet das Quintett gekonnt mit Elementen aus Minimal Music, perlenden Strukturen à la Debussy und der Melancholie mittelalterlicher Madrigale. 2002 allerdings zeigte die Remix-Produktion „Electronico“ eine ungewohnte Offenheit für moderne elektronische Klänge.

Im vergangenen Jahr präsentierte das auch auf DVD festgehaltene Album „Euforia“ schließlich 25 Songs aus dem Repertoire der Band mit Sinfonie-Orchester. Alle 13 Stücke entpuppen sich als souveräne Weiterentwicklung des bewährten Stils: eine perfekte Kombination aus nostalgischen Melodien, meditativen Rhythmen und sanften akustischen Klängen – gekrönt von einer betörenden Stimme. Die 34-jährige Teresa Salgueiro, eindeutiger Blickfang bei den Konzerten der Gruppe, intoniert die meist von Magalhães verfassten Tongedichte mit der Hingabe einer erfahrenen Fado-Sängerin. Diesmal besticht besonders das vom Keyboard getragene Stück „Vislumbrar – O Canto Encantado“ durch eine ungewohnte Rezitation der Sängerin. Als Botschafter ihres Landes traten Madredeus bereits auf der EXPO 2000 in Hannover auf.