Den Titelsong schrieb Gordon Grahame vor Jahren in einer trostlosen Nacht in Glasgow: „Our Troubles End Tonight“ – „Heute Nacht haben unsere Sorgen ein Ende“. Vermutlich erweist sich der Zweckoptimismus dieser Zeile ebenso wie der Name Lucky Jim als selbsterfüllende Prophezeiung. Denn das Debütalbum dieses Duos entwickelt sich unaufhaltsam vom Independent-Geheimtipp, der zunächst in einer Auflage von 1000 Stück erschien, zum Mainstream-Thema. Das verdanken der im schottischen Edinburgh geborene Gordon Grahame und sein Kompagnon Ben Townsend aus dem englischen Seebad Brighton ihrer unnachahmlichen musikalischen Linie, die aus vier Jahrzehnten Popgeschichte schöpft, ohne rückwärtsgewandt zu wirken. Grahame tingelte als Sänger und Songschreiber mit akustischer Gitarre durch die Lande, bis er irgendwann im East Village in New York seiner romantischen Ader in diversen neuen Songs freien Lauf ließ.
Nach der Rückkehr auf die britischen Inseln traf er Townsend, der ihn erst als Schlagzeuger begleitete und dann die zehn Stücke des Albums produzierte. Dabei bewies er ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen: Er verband klassische und moderne Elemente zu zeitlos intensiven, filigranen Klangstrukturen. Folkige Gitarrenarrangements umranken den Gesang; dezente Synthesizerflächen betten die eingängigen Melodien in noble Soundpolster. So erinnern Highlights wie „Westwards We’re Headed“ in ihrer melancholischen Melodienseligkeit an Vorbilder wie Nick Cave und Lee Hazlewood, während Grahame andernorts im Programm mit Stimme und Songstrukturen Größen wie Bob Dylan, Leonard Cohen oder Van Morrison Reverenz erweist. Kurz: Lucky Jim erreicht eine glückliche Balance der Zutaten wie nur selten ein Newcomer. Und woher haben die beiden ihren Namen? „Lucky Jim“ sei ein Ausdruck, den sie immer verwendeten, weil alles so gut lief, sagt Grahame. An den Roman „Lucky Jim“ von Kingsley Amis, der die traditionellen englischen Gesellschaftsstrukturen aufs Korn nahm, haben sie anscheinend gar nicht gedacht.



