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Low Spirit begründet elektronisches Königreich

Anfang der 90er Jahre gehörte Low Spirit zu den Firmen, die den weltweiten Aufstieg der deutschen Techno-Szene entscheidend mitgeprägt haben. musikwoche.de wollte wissen, wie das Unternehmen auf die nachfolgenden Entwicklungen reagiert.

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Mehr zu den Compilations auf Low Spirit, zur Zusammenarbeit mit BMG Ariola Hamburg, dem Verhältnis zur Loveparade und dem Selbstverständnis als DJ-Label finden Sie im von Low Spirit Recordings.

„Techno-Kultur kann man heute in ihren verschiedenen Mainstream-Derivaten an jeder Ecke hören“, so beurteilen A&R-Mann Maximilian Lenz alias WestBam, Präsident William Röttger, Sandra Molzahn sowie Studiochef Klaus Jankuhn von Low Spirit im Gespräch mit musikwoche.de den Wandel der Techno-Welt. Dies wertet die Berliner Firma als zentralen Unterschied zu 1991, als „vor allem die Loveparade und Mayday die Auslöser dafür waren, dass die gerade sich entwickelnden lokalen Technoszenen anfingen, sich zu vernetzen“.

Mit prägenden Tracks unter anderem von WestBam und den Members Of Mayday stand die Firma im Mittelpunkt der Bewegung und konnte ihr auch in den folgenden Jahren immer wieder ihren Stempel aufdrücken. „Wir haben diese Entwicklungen zum Teil iniziiert, zum Teil beeinflusst und sind zum Teil von ihnen überrollt worden. Besonders der bahnbrechende Pop-Erfolg unter dem Motto,Raving Society“ Mitte der 90er Jahre war irgendwann nicht mehr zu kontrollieren. Er hat diese Szene für immer auf die Landkarte gebracht, aber auch traumatisiert“, schildert das Low-Spirit-Kollektiv, das in der heutigen Trance-Szene einen direkten Nachkommen der ravenden Gesellschaft sieht.

„Andererseits hat diese Entwicklung auch einen starken Gegenentwurf mit einer neuen Techno-Underground-, Alternativ- und Gegenkultur generiert.“ Low Spirit reagierte 1998 darauf mit ihrem Elektro-Label Electric Kingdom. „Hier ist wieder eine neue Popkultur entstanden, die sich bei uns mit den Erfolgen des Tracks ‚Sonic Empire“ von den Members of Mayday, Lexy & K-Paul oder DJ I.C.O.N. niederschlägt. Und bei anderen Labels macht sich dieser Einfluss an Produktionen wie zuletzt Tok Tok vs. Soffy O oder Elektrochemie LK bemerkbar.“

Dabei spielt die Unterscheidung zwischen Underground und Mainstream keine entscheidende Rolle: „Wir sind immer unserer Firmenphilosophie gefolgt, ein Label für neue Musik zu sein, dem es in guten Momenten gelingt, die populäre Kultur zu beeinflussen. Und das heißt auch, dass wir nicht mit aller Macht versuchen, Underground um des Underground Willens zu sein. Wenn wir von einer bestimmten Musik oder einem bestimmten Künstler überzeugt sind, ist es natürlich unser Bestreben, diese Botschaft so breit wie möglich zu streuen.“

Gerade das Beispiel des Echo-prämierten Duos Lexy & K-Paul zeigt, wie Low Spirit Artist Development betreibt: „Wir sehen nach wie vor unsere Chancen nicht darin, mit den Majors um die Wette mit Vorschüssen um uns zu werfen, um den großen neuen One-Off-Trance-Hit aus UK zu signen. Unsere Stärken liegen darin, sehr früh neue Talente zu entdecken, sie musikalisch und stylemäßig zu beraten sowie zu fördern, und sie über unsere Wege dem Publikum vorzustellen – ihnen zu einem länger anhaltenden Erfolg zu verhelfen. Gerade hier in Berlin gibt es da ein riesiges Potenzial von Künstlern, mit denen man etwas entwickeln kann und für die wir mehr tun können, als die meisten anderen Indie- oder Major-Labels“, schildert Low Spirit.

Dabei nutzt das Label das Internet als Informations – und Promotion-Medium mit einem Direct-Marketingpool mit über 20.000 E-Mail-Adressen. „Unser Herzblut hängt jedoch an der Musik und nicht am Medium. Wenn sich das Internet zu einer geregelten Vertriebsform entwickelt, werden wir sie nutzen. Allerdings sind wir froh, nicht unnötig Geld in Utopien versenkt zu haben.“ So investiert das Unternehmen lieber in neue Künstler und Produktionen.

Dazu zählen die Herbstschwerpunkte „Shibuya Love“ von Lexy/Autotune, „See You“ von DJ I.C.O.N., „If I Have Known This Before“ von Kissogram vs. Woody, „Copper“ von Motion Unit, „Technomusik ab und zu“ von Takbam und „Future 80″s“, die nächste „Electric Kingdom“-Compilation. Diese Kopplung wird das Unternehmen diesmal mit einer internationalen Tour unterstützen. Alle Titel erscheinen zunächst auf Vinyl, Vertriebspartner bei den CD-Veröffentlichungen ist nach wie vor die Majorfirma BMG Ariola Hamburg. „Dort sind wir bestens aufgehoben, da der Konzern unsere Eigenständigkeit respektiert und uns die Freiheit gibt, im Aufbau neuer Acts auch mal ungewöhnliche Schritte zu gehen“, erklärt Low Spirit.