musikwoche.de: Worin unterscheiden sich der deutsche und der amerikanische Musikmarkt?
Lou Pearlman: Die Musikszene hier ist offener gegenüber Neuerungen in der Popmusik, als dies in den USA der Fall ist. So ist für uns der GSA-Markt zur Etablierung neuer Künstler wie bei den Backstreet Boys, ‚N Sync oder LFO sehr wichtig. Denn die deutschen Radiosender spielen mehr Boybands als in Amerika. In den USA sagen die Radiostationen bei einer Boyband: Das spielen wir nicht. In Deutschland steht der Song im Vordergrund. Ist er gut, wird er gespielt und folglich von den Hörern auch gewünscht. Die Arbeitsmethoden sind aber international die selben.
mw: Wo liegen die Unterschiede zwischen „Popstars“ und „Making The Band“?
Pearlman: Unser Fokus liegt mehr auf der Musik-Seite und vor allem auf der Kreation und Etablierung neuer Künstler. Wir wollen weltweit agieren. Bei „Popstars“ oder vergleichbaren Modellen in anderen Ländern entstanden viele Gruppen, von denen aber keine über die Nationalitätsgrenzen hinaus Erfolge erzielen konnte. Unser Anspruch wäre es aber gewesen, die neuen Spice Girls zu finden. Die Künstler sind dort nur das Nebenprodukt.
mw: Besteht das „Popstars“-Konzept mehr aus Marketing als aus Musik?
Pearlman: Es besteht zu hundert Prozent aus Marketing mit einer TV-Show. Natürlich ist auch Musik Bestandteil des Konzepts. Immerhin wurden eine Menge Platten verkauft. Wenn Sie mich fragen, ob auch ohne Fernsehshow so viel verkauft worden wäre, dann ist die Antwort nein. Das werden die „Popstars“-Macher ebenso zugeben wie wir in Bezug auf O-Town.
mw: Spielt die Qualität der Musik überhaupt noch eine Rolle?
Pearlman: Die Künstler, die Musik und die Songs sind die Basis für den Eintritt ins große Geschäft. Aber Faktoren wie etwa günstige Möglichkeiten für Promotion und Marketing sind dann auch nötig für den Erfolg. Fernsehen ist dabei ein Tool, das auch von der Musikindustrie benutzt wird, seitdem es dieses Medium gibt. Es ist wie beim Kartenspiel: Wenn man sein Geld einsetzt, muss man auch ein gutes Blatt in der Hand haben, um zu gewinnen.
mw: Wenn Konsumenten den Eindruck haben, dass Promotion wichtiger ist als Musik: Gerät die Branche dadurch in eine Imagekrise?
Pearlman: Wieviele aus diesen Fernsehshows hervorgegangene Künstler haben es denn bislang über ihre Landesgrenze hinaus geschafft? Das ist genau die Frage, die sich die Plattenfirmen stellen müssen. Für die TV-Sender reicht der nationale Erfolg. Wenn die Musiker aber nur innerhalb ihres Landes Erfolge vorweisen und keine anderen Märkte erobern können, muss man sich die Frage nach der Seriosität in Bezug auf die Musik stellen.
mw: Wie würden Sie sich selbst bezeichnen? Als traditioneller Manager oder eher als Designer?
Pearlman: Ich wuchs mit Musik auf, stand aber immer „outside the box“, wie wir in Amerika sagen. In meiner Unternehmenslaufbahn arbeitete ich somit nie auf traditionelle Art und Weise. Ich bin nicht nur ein Manager, der mit der Musikindustrie zusammenarbeitet, sondern auch ein „Creator“, der immer wieder neue Promotion- und Marketingmöglichkeiten findet.
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