Musik

Losgelöst von Zwängen

Seit 20 Jahren ist das Trio Bananafishbones nun schon aktiv. Aber dass den drei Musikern die Ideen ausgehen, das kann man wahrlich nicht behaupten. Ganz im Gegenteil: Mit „When You Pass By“ präsentiert die vielbeschäftigte Band ihr bisher abwechslungsreichstes Album.

In den letzten Jahren entwickelten sich die Bananafishbones mit jeder neuen Platte konsequent weiter. Drei Jahre ließen sie sich seit dem viel gelobten Album „36m2“ Zeit, aber von einer Arbeitspause kann man nicht sprechen. Denn statt sich auf die faule Haut zu legen, komponierten die drei Musiker Soundtracks. Und das taten sie mit zunehmendem Erfolg: So stammt zum Beispiel die Musik zu „Die wilden Kerle 3“ und „Die wilden Kerle 4“ von den Bananafishbones.

„Die Arbeit an diesen beiden Soundtracks hat uns ein wenig die Entscheidung abgenommen, ob wir jetzt etwas Deutsches machen oder nicht“, erzählt Bassist und Sänger Sebastian Horn. „Da hatten wir mit gängiger Rockmusik und HipHop zu tun, und das hat unser musikalisches Ventil in diese Richtung etwas geöffnet und uns zugleich von dem Zwang befreit, deutsch singen zu müssen.“

Zäher Schrumpfprozess

Auch die Zusammenarbeit mit Gerd Baumann, dem Komponisten des Soundtracks von „Wer früher stirbt ist länger tot“, empfand Horn als sehr hilfreich. „Er hat eine ganz andere Herangehensweise an Musik als wir. Er legt sehr viel Wert auf dieses First-Take-Gefühl.“

Mit so viel neuen Erfahrungen im Rücken ist es kein Wunder, dass das Trio – neben Sebastian Horn zählen noch sein Bruder Peter Horn Jr. (Gitarre, Gesang) und Schlagzeuger Florian Rein zur Besetzung – auf „When You Pass By“ so viel experimentierte wie nie zuvor. Von den 43 Songideen, mit denen die Bananafishbones das bandeigene Fishtankstudio betraten, blieb nach einem harten Auswahlverfahren noch knapp die Hälfte übrig. Schließlich stellten sie 13 Songs fertig.

Live long learning

Nur das Titelstück, „When You Pass By“, fand in der vorhandenen Version keine Gnade und wird nun wohl auf dem nächsten Album nachgereicht. „Dieser Song ist eine absolute Perle, und den wollten wir nicht in einem Zustand auf das Album bringen, der ihm nicht gerecht wird“, erklärt Horn.

Die Bananafishbones sind zwar alles andere als Perfektionisten, aber gewisse Qualitätsregeln müssen halt dennoch eingehalten werden. Dabei gibt Sebastian Horn im Gespräch freimütig zu, dass sich das Trio in einem permanenten Lernprozess befindet, der „hoffentlich nie aufhören wird“.

Die Erfahrung macht’s

Losgelöst von allen musikalischen und stilistischen Zwängen begeistert das Trio in Songs wie „Dice“, Electricity“ oder „Falling Stars“ mit durchaus unkonventionellen Ideen. Produziert wurde die Platte in Eigenregie. Die Bayern verfügen nach 20 Jahren über genug Studioerfahrung, um ohne Gefahr auf einen gestandenen Produzenten verzichten zu können: „Dabei wollen wir gar nicht ausschließen, dass wir in Zukunft wieder mit jemandem zusammenarbeiten, aber da muss dann halt auch der Richtige vorbeischauen.“

Bis dahin kommen die Bananafishbones auch ganzgut alleine zurecht, wie sich auf „When You Pass By“ zeigt. Sie klingen trotz aller Experimente auf diesem Album so abgeklärt wie nie zuvor. Man hört den Songs den reichhaltigen Erfahrungsschatz an, aus dem die drei Musiker inzwischen schöpfen können. Die Zeiten, in denen sie mit ihrem Track „Come To Sin“ die Werbekampagne von C&A ausschmückten, sind wohl endgültig vorbei. Heute lassen sie sich von niemandem mehr vereinnahmen.