Musik

„Lösungen bietet nur eine klare Gesetzgebung“

Georg Schmitz, Managing Director, Soulfood Music Distribution

Seit langer Zeit verfolge ich diese Diskussion und wundere mich doch sehr, dass man erst jetzt anfängt nachdrückliche Forderungen auszusprechen. Worum geht es hier eigentlich? Hier geht es nicht um Nachwuchsförderprogramme etc., das sind wirklich Nebenschauplätze. Hier geht es um eindeutiges kriminelles Verhalten, dass unverständlicherweise geduldet und als Kavaliersdelikt belächelt wird. Von welcher komplizierten Materie und Interessenslage sprechen Sie, Herr Dr.Nida-Rümelin? Von den Interessen diverser Hardware-Hersteller? Keinem in Ihrer Regierung wird es gefallen wenn ich und Millionen anderer unseren Diesel-PKW mit Heizöl tanken. Muss ich Ihnen erklären warum Ihnen das nicht gefällt? Es wundert mich wie eine Regierung, die noch vor vier Jahren die Arbeitslosenquote erheblich senken wollte, zuschaut, wie eine eigentlich funktionierende Branche durch einen kriminellen Zustand komplett vor die Wand fährt.

Vielen Dank für Ihren Appell Herr Stein, aber Ihnen und Ihren Kollegen muss ich den Vorwurf machen viel zu lange in irgendwelchen Internetphantasien geschwelgt zu haben. Auch die Strategien der letzten 10 Jahre im A&R-Bereich und im Vertrieb und Handel sind durchaus kritikwürdig. Eine Pop- oder Rockkultur wie in England und Amerika existiert in Deutschland fast gar nicht mehr. Ein Hoch auf die schnelle Mark, alle Retortenkünstler aus irgendwelchen Containern und auf Viva und deren Playlisten.

Allerdings nützt jegliches lamentieren darüber momentan wenig. Lösungen bietet nur eine klare Gesetzgebung für eine ganz klar ersichtliche kriminelle Handlungsweise. Ich stimme voll mit Manfred Schütz überein – und das sollte die Forderung der gesamten Musikwirtschaft sein – eine entsprechende Steuer auf CD-Rohlinge muss her. Eine nachdrückliche Forderung danach in den Medien hab ich immer wieder vermisst. Wenn, dann kam sie nur von Händlern, die teilweise leider heute schon nicht mehr existieren. Alle anderen Maßnahmen werden den Infarkt der gesamten Branche und den damit verbundenen Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen nicht aufhalten. Hier muss gehandelt werden Herr Staatsminister. Nachwuchsförderprogramme können Sie in der nächsten Legislaturperiode beschließen – vielleicht mit Steuergeldern auf CD-Rohlinge.