Nach nur vier Jahren kämpft der unabhängige amerikanische Jury-Award Shortlist Music Prize ums Überleben. Tom Sarig und Greg Spotts, die beiden Gründer der Auszeichnung für aufstrebende Talente, sind über die Fortführung des Projekts zerstritten. Während bei den ersten vier Verleihungen der Indie-Charakter und die Auszeichnung von unkommerziellen, aber künstlerisch anspruchsvollen Künstlern im Vordergrund stand, will Sarig den Shortlist Prize auf die nächste Stufe heben. Nach den Insidern und den Kritikern sollte künftig auch eine breitere Masse angesprochen werden.
Doch bei Partner Spotts stießen Sarigs Pläne auf wenig Gegenliebe. Der Dissens geht inzwischen so weit, dass Sarig unter dem Namen New Pantheon bereits einen neuen Award plant, der kurz vor den Grammys (8. Februar 2006) vergeben werden soll. Den vorerst letzten Shortlist Prize erhielt vor genau einem Jahr die Band TV On The Radio, in den Jahren davor ging die Auszeichnung an Damien Rice, NER*D und Sigur Ròs. Der Jury-Preis war in Anlehnung an den britischen Mercury Prize konzipiert worden und zeichnete einflussreiche junge Acts aus, die zum Zeitpunkt ihrer Nominierung weniger als 500.000 Einheiten ihres aktuellen Albums verkauft haben. Das Preisgeld für den Sieger betrug 10.000 Dollar. Eine Neuauflage der Verleihung ist vorerst außer Reichweite, Sarig und Spotts konnten sich nicht auf eine neue Zusammenarbeit verständigen. Doch auch der New Pantheon Preis ist noch nicht sicher.
Zwar weiß Sarig bereits Juroren wie Dave Matthews, Elton John, Keith Urban, Shirley Manson, Ahmir „?uestlove“ Thompson oder Elijah Woods auf seiner Seite, doch Spotts will den Alleingang verhindern. Zur Not will er sogar dagegen klagen: „Ich glaube nicht, dass er damit durch kommt. Man kann doch nicht gegen ein Unternehmen konkurrieren, an dem man Anteile hat“, sagte Spotts der Agentur Associated Press. Sarig plant ungeachtet dessen weiter: In den nächsten Wochen will er Medienpartner im TV, Internet und Radio vorweisen können. Die Liste mit den Nominierten soll im Dezember verkündet werden.



