Und das geschieht auf gänzlich andere Weise als auf dem sehr ruhigen vorigen Album „Friends Of Mine„: Auf „Gemstones“ nimmt sich Adam Green alle Freiheiten, die er benötigt, um die Welt in ihren unterschiedlichen Facetten abzubilden.
„Diesmal habe ich alle Songs ausgiebig live mit meiner Band geprobt, bevor wir sie im Studio einspielten. Ich bin ein sehr langsamer Schreiber, bei mir dauert es manchmal drei bis vier Wochen, bis mir wieder ein neues Stück einfällt.“
Inspiriert haben Green besonders zwei Kollegen: Lou Reed und Jacques Brel. „Vor allem der Sound des Schlagzeugs auf Lou Reeds Album ‚Berlin‚ hat mich nachhaltig begeistert und mein Rhythmusverständnis stark verändert. Auf ‚Gemstones‘ gibt es einige Songs, die ich in erster Linie für meine Live-Auftritte geschrieben habe.“
Streicher werden gestrichen
Adam Green machte in den letzten zwölf Monaten einen Lernprozess durch: Die ersten beiden Auftritte nach der Veröffentlichung von „Friends Of Mine“ bestritt er noch mit Streichern. Doch das funktionierte live nur bedingt.
„Die Reaktionen waren sehr zurückhaltend, und ich musste mir etwas Neues ausdenken.“ Mit seiner Band ist er inzwischen ein Jahr unterwegs, und er ist damit mittlerweile sehr glücklich. „Wenn man mich vor 18 Monaten gefragt hätte, dann hätte ich geschworen, dass ich auch für mein nächstes Album auf Streicherarrangements zurückgreifen würde. Jetzt ist alles ganz anders gekommen, und ich werde mich hüten, noch einmal irgendwelche Prognosen abzugeben.“
Der Einfluss seiner Musikerkollegen Steven Mertens (Bass), Parker Kindred (Schlagzeug), Chris Isom (Gitarre) und Nathan Brown (Keyboards), auf den Sound der Platte hielt sich in engen Grenzen „Ich bin sicher nicht der schlimmste Bandleader, den die Musikgeschichte bis heute gesehen hat, aber ich habe sehr genaue Vorstellungen davon, wie alles zu klingen hat. Schließlich steht mein Name auf dem Cover, und ich muss mich dafür verantworten.“
Schritt für Schritt
Musikalisch schlägt Adam Green auf „Gemstones“ einen weiten Bogen von Rock ’n‘ Roll über Country bis hin zu Rumba. Inhaltlich widmet er sich ganz den vielfältigen Eindrücken, die er in den zurückliegenden Monaten gesammelt hat. „Ich verfolge mit meinen Alben kein bestimmtes Konzept. Ich arbeite von Song zu Song, und das wird sich wohl auch in den nächsten fünf Jahren nicht ändern.“
Den zahlreichen Versuchen, ihn von Rough Trade abzuwerben, steht Green absolut leidenschaftslos gegenüber: „Die Leute bei Rough Trade verstehen mich genau, und ich kann zu hundert Prozent das verwirklichen, was ich will. Keiner redet mir drein. Ich kann meine Videos so drehen, wie ich will.“
Multitalent
In Deutschland geht Green dieses Jahr auch als Autor richtig in die Offensive. Im Suhrkamp Verlag erscheint Ende Januar mit „Magazin“ sein erstes Buch in einer zweisprachigen Ausgabe (Englisch/ Deutsch). Es enthält Beiträge aus den von ihm herausgegebenen Fanzines „Magazine 1&2“ sowie diverse Gedichte und Auszüge aus seinen Notizbüchern.
Die deutsche Übersetzung besorgte der Autor und Musiker Thomas Meinecke (FSK). „Ich hoffe, dass das Buch auch außerhalb Deutschlands auf Interesse stoßen wird. Ich sehe mich aber nach wie vor in erster Linie als Musiker und nicht als Autor.“


