Musik

Laue Konzertsaison in den USA

Angesichts zahlreicher Tourabsagen und halbvoller Hallen sprechen Brancheninsider in den USA bereits vom schlechtesten Konzertsommer seit Jahren.

Angesichts zahlreicher Tourabsagen und vieler halbvoller Hallen sprechen Brancheninsider in den USA bereits vom schlechtesten Konzertsommer seit Jahren. Zu Beginn des Jahres sorgten erfolgreiche Tourneen von Prince, Bette Midler oder Shania Twain noch für starke Umsätze, doch seit April lahmt das Tourgeschäft deutlich. Allein in der ersten Aprilhälfte lagen die Bruttoeinnahmen der amerikanischen Konzertveranstalter um 17,6 Prozent unter dem Vorjahresschnitt, die Besucherzahlen gar fast 27 Prozent unter dem Niveau des Vergleichszeitraums im Jahr 2003. Wegen extrem schwacher Vorverkäufe wurde beispielsweise die für Juli und August geplante Lollapalooza-Tour mit Acts wie PJ Harvey, Morrissey, Sonic Youth oder den Flaming Lips abgesagt. Laut Peter Grosslight, Musikchef der William Morris Agency, liefen Tourneen von Madonna, Prince und Simon & Garfunkel zwar hervorragend, doch andererseits seien viele traditionell stark gefragte Namen „drastisch unter den Erwartungen“ geblieben. So konnten beispielsweise Eric Clapton, Van Halen, Kiss oder die Dave Matthews Band die Säle nicht wie gewohnt füllen. Selbst Shooting-Star Norah Jones musste zum Teil in kleinere Hallen umziehen. Branchengrößen wie Gregg Perloff, President von Another Planet Entertainment, machen vor allem die extrem gestiegenen Eintrittspreise für die sinkende Nachfrage verantwortlich. „Die Preise steigen, weil die Kosten für die Shows nach oben gehen“, betont Louis Messina, President von TMG/AEG Live. „So erhöhen sich zwar die Umsätze, doch die Gewinne gehen zurück.“ Brancheninsider nennen indes die hohen Garantiesummen, die führende Veranstalter wie AEG oder Clear Channel Entertainment (CCE) vielen Top-Künstlern vorab zahlen, als eigentliche Crux. So hätten sich zuletzt selbst Tourneen mit über 10.000 Besuchern pro Konzert als Verlustgeschäft erwiesen. „Keine Industrie kann jedes Jahr zweistellig wachsen, aber wir glauben immer noch, dass das Konzertgeschäft ein Wachstums-Business ist“, beschwichtigt Dave Lucas, President und CEO der Musik-Division von Clear Channel.