Auch wenn die meisten Dotcom-Neugründungen mangels finanzieller Substanz längst vergessen sind: Die Vision von der Musik aus, durch und über das Netz ist längst nicht tot. Die Millioneninvestitionen der Großkonzerne in Download- und Abonnement-Plattformen wie pressplay oder MusicNet als sinnlose Geldvernichtung zu geißeln, zeugt von Unkenntnis der komplexen weltweiten Rechtelage. Die Branche ist auf einem langen Marsch der Anpassung ihres Geschäftsmodells, das bislang hauptsächlich auf Rechteauswertung in Form von Tonträgern baut. Und dieser Wandel ist keineswegs so einfach, wie Internetromantiker mit Hang zum Motto „freie Inhalte für freie User“ glauben machen wollen. Sobald demnächst ein Markt für den Digitalvertrieb erkennbar ist, wird das branchenfremde, freie Investitionskapital wieder verfügbar sein – auch für jene konzernunabhängigen Unternehmen, die diese neuen Geschäftsmodelle voran bringen wollen. Allzu lange muss das nicht mehr dauern.
Das hotvision.de-Projekt von PhonoNet und der Media-Saturn-Gruppe ist ebenso ein Beispiel für den Unternehmergeist der deutschen Musikbranche wie die von Universal angekündigte Downloadseite popfile.de. Ganz zu schweigen von den Pilotprojekten einzelner Marktteilnehmer, die Musikkunden Customized-CDs übers Netz anbieten. Neben gemeinschaftlichen Anstrengungen wird so auch ein gesunder Wettbewerb sichtbar, der die Online-Kundschaft mit attraktiven Preisen locken könnte. Und wer im Netz nach vernünftigen Musikbrancheninformationen sucht, musste ohnehin nicht lange auf die Internetrevolution warten: Mit www.musikwoche.de hat das Musicbiz seit Jahren einen verlässlichen Partner.
Christian Höferle [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Redaktionsleiter



