Gut Ding will Weile haben: Für das neue Album der Waterboys ließ sich Mike Scott diesmal besonders viel Zeit: Vier Jahre ist es her, dass das letzte Studioalbum, „Universal Hall„, erschien. Die Pause überbrückten die Waterboys mit dem Livealbum „Karma To Burn“ von 2005 und mit diversen klanglich aufbereiteten Wiederveröffentlichungen aus ihrem Backkatalog. Und was trieb Scott? „Wir waren 2003 und 2004 ausgiebig auf Tournee, und 2005 habe ich mir einfach freigenommen. Ich wollte mehr Zeit für mich haben.“
Nach dieser kreativen Auszeit stürzte er sich 2006 dann umso entschlossener in die Arbeit. „Einige Songs auf dem neuen Album wie ‚The Crash Of Angel Wings‘ oder ‚Love Will Shoot You Down‘ sind erst vor wenigen Monaten entstanden, während die letzten drei Nummern bereits aus dem Jahr 1986 stammen. Sie hatten bis jetzt einfach noch keinen Platz auf einer Platte gefunden. Jetzt passen sie perfekt dazu.“
Unterstützung aus Kanada
Dabei sei es eine absolute Ausnahme, dass er alte Nummern wieder ausgegraben hat: „Das ist in meiner Karriere noch nicht allzu oft vorgekommen. Aber diese Songs haben es einfach verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten.“ Sogar auf ein Experiment ließ sich Mike Scott bei den Aufnahmen zu „Book Of Lightning“ ein: Die Ballade „Sustain“ entstand mithilfe der kanadischen Artrock-Band Great Aunt Ida.
„Ich wurde letztes Jahr auf sie aufmerksam, weil sie eine wirklich schöne Version meines Songs ‚Fisherman’s Blues‘ aufgenommen haben. Ich fragte sie einfach, ob sie mit mir einen komplett neuen Song aufnehmen wollten.“ Die Zusage ließ nicht lange auf sich warten, und so machte sich Mike Scott auf den Weg nach Kanada, um mit Großtante Ida zu arbeiten. „Für mich war es eine ungewöhnliche Situation“, meint er, „denn so etwas hatte ich zuvor noch nie gemacht.“
Viel Klassiker-Potential
Der ganze Aufwand habe sich aber auf jeden Fall gelohnt, wenn man sich das Ergebnis anhört. In der Tat ist „Sustain“ einer der herausragenden Songs auf dem neunten Studioalbum der Waterboys. Man hört: Mike Scott hat nichts verlernt und schüttelt noch immer lässig Songs aus dem Ärmel, vor denen sich viele Kollegen mit gutem Grund verneigen.
Auf „Book Of Lightning“ finden sich sogar mehr potenzielle Klassiker als auf jedem anderen Album der Waterboys seit „Fisherman’s Blues,“ das 1988 erschien. Woran liegt das? Scott weiß auch nicht so recht: „Das Schreiben von Songs hat bei mir viel mit Inspiration zu tun. Ich kann nicht auf Knopfdruck arbeiten. Das funktioniert einfach nicht.“
Keine Alleingänge
Ein neues Soloalbum plant er derzeit nicht. „Mir macht die Arbeit mit der Band viel zu viel Spaß. An etwas anderes denke ich im Augenblick gar nicht.“ Auch wenn es nicht unbedingt seine Stärke ist, Verantwortung abzugeben, hat er sich für „Book Of Lightning“ nun aber doch einen kompetenten Co-Produzenten mit ins Boot geholt: seinen Manager Philip Tennant, mit dem er schon seit „Fisherman’s Blues“ zusammenarbeitet.
„Ich dachte mir, es wäre eine gute Idee, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Nachdem es beim ersten Song sehr gut funktionierte, ist er einfach als Produzent bis zum Ende der Aufnahmen dabei geblieben.“


