Musik

Korn: Wutausbrüche und Trauerarbeit

Korn machen Schluss mit den melodischen Experimenten und kehren auf „Take A Look In The Mirror“ (Epic/SMI/Sony Music) zum wutschnaubenden Karacho-Metal zurück, der sie zu Millionären machte.

Mit Spannung richten sich die Augen der gesamten Rock-Welt auf das neue Album von Korn. „Take A Look In The Mirror“ wird zeigen, ob die rabiaten Kalifornier ihren kommerziellen Höhepunkt überschritten haben oder ob das vergleichsweise schlechte Abschneiden des letzten Longplayers „Untouchables“ (2002) nur ein einmaliger Ausrutscher war. 1993 gegründet, konnten Korn weltweit bislang mehr als 19 Mio. Alben verkaufen. Obwohl die Band vier Mio. Dollar und zwei Jahre Arbeit in das ungewohnt melodische „Untouchables“ investierte, fielen die Verkäufe enttäuschend aus.

Für die sechste Platte der Band aus Bakersfield hieß die Devise deshalb: zurück zum bewährten Sound. „Damals wollten wir unsere melodische Seite betonen, doch davon waren unsere Fans nicht sonderlich beeindruckt“, stellt Gitarrist James „Munky“ Shaffer trocken fest. „Dieses Mal arbeiteten wir ohne Produzent im Studio und ließen unserer Wut wieder freien Lauf.“ Die zähnefletschenden Gitarren-Riffs, präzisen Bass- und Schlagzeugsalven sowie der vor Wut heulende Sänger sind von schier unbändiger Aggression. Woher stammt ihre Wut? „Ich habe meine Mutter dieses Jahr verloren, sie starb an Krebs. Dieses Trauma hab ich durch mein Gitarrespiel verarbeitet“, antwortet Munky. „Die Riffs haben mich gerettet. Die ganze Band hat mich unterstützt und mir in meinem Schmerz geholfen.“

Für die Texte von Jonathan Davis habe Shaffers Schicksal jedoch keine Rolle gespielt. „Er hat über persönliche Erlebnisse, Familienmitglieder, Frustration und Drogenmissbrauch geschrieben. Früher schrieb er über seine unglückliche Kindheit, heute geht’s ihm mehr darum, was ihn im Alltag nervt.“ Nach Munkys Meinung hat Korn sämtliche Mitglieder vor dem Weg in die Kriminalität bewahrt. „Es ist nicht leicht, Wut in einer angemessenen Weise auszudrücken, ohne mit dem Gesetz zu kollidieren. Wir haben einen Weg gefunden, der akzeptabel ist, indem wir die Tür zu unserer dunklen Seite öffneten und die Aggression in unserer Musik kanalisierten.“