Die noch etwas diffusen Pläne der Musikbranche zur Anhebung der Preise für Downloadlizenzen sorgen für Aufsehen und stoßen bei Marktbeobachtern und Experten auf Unverständnis und Ablehnung. In einem so jungen Markt, der sein volles Potenzial längst nicht erreicht hat, die Preise anzuheben sei völlig kontraproduktiv. „Wer auch immer diese Idee hatte, versteht vom Online-Musikverkauf genauso viel wie eine Kuh von Algebra“, urteilt Analyst Phil Leigh von Inside Digital Media.
Ungenannte Quellen aus der Branche hatten gegenüber der „Financial Times“ geäußert, man dürfe sein Repertoire nicht zu billig an Downloadverkäufer abgeben: „Wir dürfen unsere Musik nicht verschenken, nur damit andere ihre iPods verkaufen können“, so ein Manager. Vielmehr sei ein Preisniveau wie beim Musikverkauf über das Handy anzustreben, mindestens jedoch zehn bis 15 Prozent mehr als die derzeit üblichen Lizenzsätze von rund 65 Cents pro Song.
Doch Insider wie Marktforscher Josh Bernoff von Forrester fürchten, dass eine verfrühte Preissteigerung nur zu einem weiteren Anstieg der Nutzung von illegalen P2P-Angeboten führen wird. Solange kostenlose Quellen den Bedarf nach digitaler Musik stillen könnten, sei eine Preisrunde fehl am Platz. Genauso sieht das auch Michael Goodman von der Yankee Group: „Wenn man will, dass sich dieser Markt entwickelt, dann wäre jetzt ein denkbar schlechter Zeitpunkt für eine Teuerung. Vielmehr sollte man aufpassen, dass man die goldene Gans nicht schlachtet.“
Und Adam Sinnreich von der University of Southern California vermutet hinter dem Artikel der „FT“ sogar strategisches Kalkül: Die Branche habe mit ihren anonymen Statements lediglich „einen Testballon steigen lassen“, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit reagieren würde. Die Musikbranche müsse bei einem Thema wie diesem nämlich sehr sorgfältig agieren. Sobald der Eindruck entsteht, die marktbeherrschenden Firmen drängten gemeinsam auf eine Preissteigerung, hätte dies umgehend wettbewerbsrechtliche Konsequenzen.


