Kontroverse Reaktionen löst Prince mit seiner jüngsten Promo-Aktion aus, bei der jeder Besucher seiner aktuellen US-Tour zur Eintrittskarte auch gleich das neue Album erhält. Der US-Chartsermittler Nielsen SoundScan zählte 12.600 Einheiten von „Musicology“, die auf diese Art in der ersten Verkaufswoche den Besitzer wechselten, und berücksichtigte diese für die Gesamtverkäufe. Mit 191.000 verkauften Kopien gelang dem Sänger damit nicht nur der Einstieg auf Platz drei der Album-Charts, sondern auch seine bislang erfolgreichste Erstverkaufswoche seit Beginn der Charts-Erhebung.
Während die Prince-Manager bemängelten, dass nicht alle auf der Tour abgesetzten Einheiten berücksichtigt worden seien, wird die Aktion von Seiten der US-Vertriebe teilweise scharf kritisiert. Die Charts sollten aufzeigen, wofür der Konsument sein Geld ausgebe – beim Prince-Album hätte der Kunde aber gar keine Möglichkeit dies zu entscheiden. Solche Verkäufe dürften deswegen nicht in die Charts-Erhebung einfließen. Mit der Aktion werde die Büchse der Pandorra geöffnet, so dass bald jeder versuchen werde, seine Veröffentlichungen an irgendwelche Produkte zu koppeln.
Bei den Plattenfirmen kam die neue Vertriebsidee besser an: „Verkauft ist verkauft“, erklärte etwa EMI-Vice-President Phil Quartararo. „Unsere Aufgabe ist es, dem Kunden Musik in die Hand zu geben, wann, wo und wie immer er das will. Die Musikfirma der Zukunft muss über die konventiellen Wege Musik verkaufen können, wie auch über nicht-traditionelle.“ Bei Nielsen SoundScan zeigte man sich irritiert über die Kritik aus der Branche. Die Charts-Ermittlung sei ein „fließender Prozess“, erklärte CEO Rob Sisco. „Unser Ziel ist es, jeden möglichen, zulässigen Musikverkauf zu erfassen und dabei gleichzeitig immer im Gespräch mit der Industrie zu bleiben, auf welche Art wir dies erreichen können.“ Derweil findet die Prince-Idee bereits Nachahmer: Virgin will gemeinsam mit Clear Channel und PromoWest auf der nächsten Tour der britischen Band Gomez ein ähnliches System testen. Fans können sich dann entweder ein reguläres Ticket kaufen oder erhalten für zehn Dollar mehr zusätzlich das Album „Split The Difference“ sowie Zugriff auf exlusive Download-Live-Tracks, aufgenommen bei dem Konzert, das sie besuchen.
Die Plattenfirmen rechnen damit, dass sich diese Strategie vor allem für tourfreudige Rock-Veteranen lohnen werde: So könne ein Dinosaurier-Act, der zwar keine Platten mehr verkauft, jedoch viele Konzerte spielt, durch eine Stadion-Tour im Sommer die Album-Charts dominieren. Für den Charts-Einstieg von Prince hatte diesmal die Tour allerdings keine große Bedeutung: Auch ohne die Kombi-Ticket-Verkäufe wäre „Musicology“ auf gleicher Position eingestiegen. Spannend bleibt, wie sich die andauernde Tour in den nächsten Wochen auf die Charts-Präsenz auswirken wird.



