Musik

Kontrollfreak mit Ambitionen

Ihre Musik ist so ungewöhlich und so farbig wie ihr Name: Annie Lilia Berge-Strand kreuzt auf ihrem „Anniemal“ virtuos Pop, Elektronik und Disco.

Im Grunde ist es fast schon verdächtig, wenn ein Künstler oder eine Künstlerin von allen Seiten mit Vorschusslorbeeren überhäuft wird. In seltenen Fällen aber ist das berechtigt – wie bei Annie Lilia Berge-Strand. Die 26-jährige Sängerin und Musikerin kommt aus Bergen, einer Stadt, die schon durch ungewöhnliche Bands wie Kings Of Convenience oder Röyksopp auf der musikalischen Landkarte auffällt.

Auf ihrem Debüt „Anniemal“ gelingt ihr eine perfekte Verschmelzung von Pop, Elektronik und Disco, ohne dabei bekannte Klischees zu bedienen. So eingängig manche Songs wie das auf einem Sample von Madonnas Titel „Everybody“ basierende „Greatest Hits“ auch klingen: Für Annie spielt kommerzieller Erfolg nur noch eine untergeordnete Rolle. Sonst hätte sie sich ein anderes Label ausgesucht als gerade 679 Recordings.

Schwieriger Start

„Als ich das erste Mal die Büroräume betrat, war ich sehr angetan von der relaxten Atmosphäre, die dort herrschte“, erzählt Annie. „Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl. Mir gefiel auch, dass das Label Künstler unter Vertrag nimmt, die sehr unterschiedlich klingen.“ Nach einer kleinen Denkpause unterschrieb Annie, die damals gerade einmal fünf Demos in ihrer Tasche mit dabei hatte, den Vertrag. Sie hat es bis heute nicht bereut.

Bis dahin war ihre Karriere allerdings alles andere als geradlinig verlaufen. Als sie 1999 auf den Produzenten Tore Andreas Krokne traf, der damals unter dem Namen Erot elektronische Musik veröffentlichte, erfüllte sich für sie ein langgehegter Traum. Endlich hatte sie jemanden gefunden, der ihre musikalischen Visionen teilte. Gemeinsam spielte das Paar die Single „The Greatest Hit“ ein, die weit über die Grenzen von Norwegen hinaus zum Underground-Hit avancierte.

Schwerer Verlust

Doch leider starb Tore Andreas Krokne im April 2001 mit nur 23 Jahren. Annie versank kurzzeitig in Depressionen, bevor sie mit der Arbeit an ihrem Debütalbum begann. „Es war ein langer und schwieriger Prozess, dieses Album fertig zu stellen, aber es hat sich gelohnt.“

Als Produzenten konnte sie Röyksopp, die drei Songs betreuten, Richard X, der für die elektrisierende Disco-Hymne „Chewing Gum“ verantwortlich zeichnet, und Timo Kaukolampi (Opl:Bastards) gewinnen. Besonders die Zusammenarbeit mit Kaukolampi fand Annie sehr befruchtend. „Er hatte bis dahin noch nie jemanden produziert“, erzählt sie. „Es war spannend, mit ihm zu arbeiten, weil er völlig offen für jede Art von Ideen war.“

Abgesehen von „Chewing Gum“ war Annie an allen Songs ihres Debüts als Autorin beteiligt. „Ich bin ein kleiner Kontrollfreak und möchte dementsprechend immer alles im Blick haben,“ erklärt sie freimütig.

Komponieren via Handy

Inzwischen hat sich in der Szene rumgesprochen, dass sie auch als DJ unkonventionelle Wege beschreitet. Kein Wunder also, dass das !K7-Label sie für seine „DJ-Kicks“-Reihe verpflichtet hat; eine Mix-CD erscheint im Oktober.

Ihre Songideen speichert Annie auf dem Handy. „Normalerweise fällt mir erst die Melodie eines Songs ein, selten ist es umgekehrt. Manchmal schreibe ich über meine Freunde oder Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe, und manchmal bevorzuge ich es, total absurde Geschichten zu erzählen wie beim Titelsong ‚Anniemal‘, die keinerlei Sinn ergeben.“