Musik

Kontor Records setzt auf internationale Kooperationen

Keine blutigen Nasen mehr

“Das erste Halbjahr 2002 war das beste, das wir jemals hatten – das wird nicht mehr zu toppen sein“, sagt Jens Thele, Head of A&R/ Managing Director bei Kontor Records. Zusammengerechnet mit den Werten des Scooter-Labels Sheffield Tunes belegte Kontor den ersten Platz bei der Label-Wertung von Media Control in den ersten sechs Monaten. „Noch besser als jetzt können wir es kaum noch machen. Deswegen arbeiten wir zur Zeit daran, dass der Dipp nach unten nicht zu tief ausfällt.“ Bei den Gründen für den Erfolg bleibt Thele bescheiden: „Letztlich kochen auch wir nur mit Wasser. Für den Erfolg ist jedoch wichtig, dass wir für unsere Künstler und Medienpartner immer erreichbar sind. Und auch unsere Kooperationen mit Digidance in Holland oder ARS in Belgien haben sich ausgezahlt. Zudem werden wir demnächst mit dem italienischen Label Do It Yourself zusammenarbeiten. Wir glauben fest an das Prinzip des Indie-Networking.“

So erzielte der Kontor-Künstler Jan Wayne über Digidance einen Nummer-eins-Hit in Holland und auch in England klettert der norddeutsche DJ und Produzent, dessen Debütalbum „Back Again“ seit dem 9. September im Handel steht, die Charts hinauf. „Sicherlich ist es zu 50 Prozent auch Glück, mit den richtigen Titeln zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt zu kommen. Und wenn man einmal einen Lauf hat, wächst auch das Selbstbewusstsein. Dann funktionieren auch Tracks, an denen man sich zuvor eine blutige Nase geholt hat. Aber mein Dank gebührt dem Kontor-Team, das in Nacht- und Wochenendschichten extrem hart für diesen Erfolg gearbeitet hat.“ Gleichzeitig beurteilt Thele die allgemeine Lage eindeutig: „Es kann und darf so nicht weitergehen.“ Die Firmen müssten versuchen, weitere Einnahmequellen zu generieren. „Mich hat zum Beispiel immer schon gestört, dass wir nicht an den Remix-Gagen unserer Künstler für Tracks von anderen Labels beteiligt sind – die dann groß mit dem Namen unserer Künstler werben. Sehr wichtig ist aber auch, die weltweiten Verwertungsrechte zu halten, um sich einen größeren Teil am Kuchen zu sichern. Dazu gehört auch, dass man sich – nicht nur im Dance – verstärkt um Newcomer kümmern muss.“

Kritik äußert er auch in einem anderen Bereich: „Die Inhalte können noch so gut sein, die Verpackung der Tonträger ist in vielen Fällen schlecht. Wir versuchen nun, den Leuten mehr zu geben und uns auch in den Kopf der Verbraucher hineinzuversetzen.“ Dazu gehört das Bonusfeature Navigator, mit dem Kontor weiteres Material wie Videos auf Maxi-CDs packt. „Zudem hindern uns die Charts-Regularien in vielen Fällen an kreativen Lösungen. So sind wir bei Maxi-CDs an das Limit von 23 Minuten gebunden, wenn wir noch einen anderen Track, also die frühere B-Seite, mit darauf packen wollen. Und bei Kopplungen müssen wir an einem hohen HAP festhalten, damit die CD Charts-fähig bleibt. Hier müsste der Bundesverband flexiblere Regeln erlassen. Deswegen arbeiten wir gern mit dem DVD-Format, wo es diese Begrenzungen nicht gibt.“ Unabhängig davon ist die Qualität der Tracks ein entscheidendes Kritierium, das auch bei den kommenden Kontor-Veröffentlichungen – wie die Single „Let“s Get It Right“ von Krystal K oder die neue Compilation-Reihe „Alpha Rave“ – im Vordergrund steht. Aber Thele räumt ein: „Selbst mit 10.000 verkauften Singles reicht der Umsatz nicht mehr, unsere Kosten zu decken. Wir wollen nicht jammern – aber die Lage ist katastrophal und eine wirkliche Besserung kann ich noch nicht erkennen.“