“ Ihr Jamba-Hit „Hippo Rave“ hat im Sommer einen regelrechten Hype verursacht. Fanden Sie das nicht seltsam?
ANDY REIMER: Anfangs bekam ich das gar nicht so mit, weil der Erfolg natürlich nicht sofort auf mich zurückzuführen war. Aber dann kamen die Plattenfirmen. Da hat man als Musiker lange um den Erfolg gerungen – und dann stehen die Plattenfirmen plötzlich freiwillig da. Das war schon etwas befremdlich.
“ Wie erklären Sie sich den Erfolg von Klingeltönen?
Ich denke, mit dem Klingelton-Hype ist es wie mit den Fußballsammelbildchen. Die wollte früher auch jeder unbedingt haben.
“ Woher stammte die Idee zum „Hippo Rave“-Klingelton?
Auslöser war der MTV-Klingelton mit der Kakerlake Roque. Meine Ansprechpartner bei Jamba sagten sich, das kann man besser machen, und gaben mir den Auftrag.
“ Was ist die besondere Herausforderung beim Komponieren von Klingeltönen?
Man muss sehr prägnante Melodien schreiben und hat nur wenige Sekunden Zeit. Es ist wie bei einem Werbe-Jingle – in 30 Sekunden muss alles gesagt sein.
“ Wie gehen Sie praktisch vor, wenn Sie einen Klingelton komponieren?
Der Auftrag für den „Hippo Rave“-Klingelton lautete beispielsweise, einen tanzbaren Klingelton im HipHop-, Dance- oder Latin-Stil zu schreiben. Ich habe dann dementsprechende Vorschläge gemacht. Man liefert eigentlich immer fünf bis sechs Themenvorschläge pro Auftrag, beim „Hippo-Rave“ waren es sogar zwölf oder 14. Der Kunde hört sich die Vorschläge an und wählt einen Klingelton aus, hat dann aber meistens noch Änderungswünsche. Dann wird entsprechend nachgebessert, bis es passt – wie beim Grafikdesigner.
“ Und wie sieht der kreative Entstehungsprozess eines Klingeltons bei Ihnen persönlich aus?
Ich liege immer auf meinem Sofa, von dem meine Frau sagt, es gehöre längst auf den Müll. Aber auf diesem Sofa entstehen quasi alle meine musikalischen Ideen. Ich singe die Melodien, die mir einfallen, in mein Diktiergerät, setze mich dann an den PC und spiele die verschiedenen Melodien ein. Meine Frau und mein Sohn sind meine härtesten Kritiker, auf ihr Urteil kann ich mich verlassen. Es geht nichts nach draußen, was die beiden nicht angehört haben. Was Ihnen nicht gefällt, wird gelöscht.
“ Ist es heute leichter, mit Klingeltönen als mit „richtiger“ Musik Geld zu verdienen und erfolgreich zu sein?
Der Weg ist leichter, weil man zielgruppenorientierter arbeiten kann. Außerdem werden die Töne schon durch den immensen Werbeaufwand zum Erfolg. Allerdings ist die Werbung kein Garant; am Ende entscheidet auch hier das Publikum.
“ Wie ging es für Sie nach dem Überraschungserfolg mit „Hippo Rave“ weiter?
Man etabliert sich mit einem solchen Erfolg natürlich. Ich schrieb danach für Jamba noch „Rat-Buster“ und „Rhino-Bounce“. Für die Compilation „Jamba! Hits Vol. 1„, die bei Polystar erschien, habe ich zusammen mit Co-Produzent Kai Banholzer von Jamba und der Sängerin Soweig Carranza einen Remix von „1,2,3,4 Rat-Buster“ gemacht. Weitere Klingeltöne sind in Planung. Die Stile werden immer lustiger, und es macht zunehmend Spaß. Trotzdem hoffe ich, dass ich über meine neue Popularität die Chance bekomme, auch mal etwas anderes zu machen.
“ Klingeltonkomponist ist wahrscheinlich nicht der Traumberuf eines Musikers. Wie kommt man überhaupt dazu, Klingeltöne zu komponieren?
Es lief grad nicht so gut, und bei Jamba wurden Klingeltonkomponisten gesucht. Dort komponierte ich zunächst polyphone Klingeltöne. Inzwischen kommen viele Anfragen von Handy-Herstellern für auf Handys vorinstallierte Klingeltöne. Diese Kleinkompositionen machen auch tatsächlich Spaß, weil man dabei alle Stile ausprobieren kann.
“ Und was für Projekte wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich würde am liebsten Film- oder Werbemusik komponieren, außerdem schiebe ich schon viel zu lange das Projekt einer eigenen CD mit tanzbaren Songs vor mir her. Und wenn eine Plattenfirma käme und von mir eine Maxi-Single für die Dance-Charts haben wollte – da hätte ich auch nichts dagegen einzuwenden.


