Musik

„Klar bin ich glücklich“

Seine Single „Amore per sempre“ auf allen Kanälen, das brandneue Album „Nevio“ ein Riesenerfolg – der Einstieg von Nevio Passaro in die Welt des Showbizz ist geglückt. Termin auf Termin, drei Städte an einem Tag: Trotzdem hatte der sympathische Sänger Zeit unsere Redaktion zu besuchen.

“ Nevio, auf welchem Chartsplatz steht dein Album gerade?

Nevio Passaro: „Nevio“ steht momentan auf Platz fünf – und das ist natürlich fantastisch und zeigt, dass meine Musik den Leuten gefällt. Ist aber trotzdem nur der Einstieg. Jetzt heißt es weitermachen, dranbleiben und Kontinuität in den Erfolg bringen.

“ Verfolgt man als Künstler die Chartsplatzierungen wie der Broker den Aktienkurs?

Nein, ich ganz sicher nicht. Ich bin Musiker. Natürlich sind die Charts wichtig und ein Gradmesser für deinen momentanen Erfolgsstand. Aber das sollen bitte die Statistiker und Marketing-Menschen meiner Musikfirma im Auge behalten. Ich bin Künstler – und ich will und muss einfach nur gute Musik machen. Das ist meine Aufgabe – den Statistikkram sollen andere machen.

“ Die Single „Amore Per Sempre“ ist damals sogar auf Platz 2 eingestiegen: Was für ein Gefühl war das, die erste Top-Chartsplatzierung zu haben?

Streng genommen habe ich ja schon eine Goldene Schallplatte zu Hause hängen für das Album mit allen Superstars. Aber die erste Solo-Scheibe mit deinem eigenen Namen in den Charts weit oben ist natürlich was ganz Besonderes. Da denkst du dir „Wow – so ein Irrsinn. Das ist es endlich. In Wirklichkeit“. Nicht zu beschreiben.

“ 1999 hast du schon mal ein Single herausgebracht. „Mia Parola“. Was war das eigentlich?

Au ja: Das war auch gut. Ich hatte ja damals schon meinen allerersten Plattenvertrag: Und das war eine schöne Nummer, die ich wirklich immer noch mag. Natürlich nicht wie heute – aber nichts, wofür man sich schämen muss. Der Erfolg blieb leider aus und der Vertrag wurde auch aufgelöst. Trotzdem: Die Nummer war nicht schlecht. Die spiele ich auch heute noch manchmal.

“ Du hast, was die anderen bei DSDS gerne hätten. Einen Vertrag, eine CD, Airplay. Bist du glücklich?

(Denkt lange nach) Oh ja – natürlich bin ich jetzt glücklich. Aber ich war vorher ja nicht unglücklich. Ich habe Musik gemacht – klar vor weniger Leuten, manchmal auch nur für mich – aber es war immer O.K. Natürlich: Wenn du das machen kannst, was du liebst, damit Erfolg hast und auch noch Geld bekommst – das ist sicher der Gipfel. Ja klar bin ich glücklich.

“ Apropos Geld: Hast du schon deinen ersten Lustkauf als Star hinter dir?

Ach Star. Ich bin kein Star. Schon gar kein Superstar. Die Superstars der Welt kannst du an einer Hand abzählen – der Begriff ist sowieso bescheuert. Ich bin ein Typ, der Musik macht, und das war’s. Aber gekauft habe ich mir trotzdem schon was – von dem Geld, das da später hoffentlich mal kommen wird, sozusagen. Ich stecke alles in mein Studio. Da bin ich Fetischist. Ich habe mir jetzt zum Beispiel völlig irre Mikros gekauft. Kurz: Was ich so durch die Musik verdiene, fließt auch wieder in die Musik zurück.

“ Stimmt: Du singst ja nicht nur, du produzierst ja auch.

Ja. Das macht Riesenspaß. Mein Album habe ich mitproduziert und ich kann mir für die Zukunft auch gut vorstellen, andere Musiker zu produzieren. Das ist eine ganz eigene Faszination. Mal der Trainer, der Regisseur sein. Anderen, die noch am Anfang stehen, mit dem eigenen Wissen weiterzuhelfen. Andererseits: Was weiß ich schon? (Grinst breit)

“ Wie sieht dein typischer Tag zurzeit aus.

Kurz gesagt etwa so wie heute: Hamburg, Hannover, München – drei Städte pro Tag, Veranstaltungen, Interviews, die Nächte im Hotel – Action, Stress, aber auch eine irre Zeit.

“ Momentan läuft Nevio auf allen Medienkanälen. Hast du Angst, später wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken?

Ich habe Musik ohne Erfolg gemacht, jetzt mache ich sie mit Erfolg. Hauptsache ich kann Musik machen. Natürlich – das ist jetzt schon fantastisch. Große Bühnen, viel Publikum – das ist natürlich klasse. Trotzdem: Selbst wenn mich in fünf Jahren niemand mehr kennt: Gute Musik ist nie bedeutungslos. Wenn ich nur einen Menschen mit meinen Liedern erreiche – schon hat sie eine Bedeutung.

“ Wie steht eigentlich deine Familie zu dem ganzen Starrummel? Wünscht sie sich manchmal ihren Dolmetscher zurück?

Ich habe eine wundervolle Familie – und dazu tolle Freunde. Die Familie sehe ich zur Zeit witzigerweise mehr als früher. Da habe ich ja in Bologna studiert. Aber jetzt kommt ich doch immer wieder bei ihr vorbei. By the way stammte der Vorschlag für DSDS ja eigentlich von meinem Vater. Und meine Freunde: O.K. die sehe ich natürlich kaum. Aber wenn, dann ist es sofort wie früher. Die verstehen, dass ich kaum Zeit für sie habe.

“ Neulich hattest du einen Auftritt in „The Dome“. Zusammen mit den angesagtesten Acts auf derselben Bühne. Neigst du zu Lampenfieber?

Überhaut nicht. Natürlich macht man sich vorher ein paar Sorgen: Stimmt die Technik, wie ist meine Stimme? Aber Lampenfieber habe ich keins. Hatte ich auch nie. Ich meine: eine große Bühne, tolle Stimmung und du darfst singen. Ist doch spitze.

“ Und 5000 Mädchen stehen vor der Bühne und jubeln. Flirtet es sich jetzt anders als vorher?

Um ehrlich zu sein: Ich bin ziemlich verwöhnt. Klingt arrogant, hat aber einen ganz anderen Hintergrund, der nix mit Musik zu tun hat. Dolmetscher machen einfach mehr Frauen als Männer. Beim Studium waren wir so fünf Jungs auf 800 Mädels. Da konnte man frei wählen. Ich meine, wen hätten sie sonst nehmen sollen? Wir fünf waren ja die einzigen.

“ Gibt es momentan eigentlich jemanden in deinem Leben?

Zur Zeit nicht. Ich bin so viel unterwegs, ich könnte nicht das geben, was ich meiner Partnerin geben möchte und das eine Frau ja auch verdient. Na ja. Eigentlich Quatsch. Letztlich alles nur Ausreden. Für Amore ist immer Zeit, wenn man nur will und den richtigen Menschen trifft.

Das Gespräch führte Alexander Jodl