Über die Wirksamkeit der RIAA-Klagen treffen unterschiedliche US-Studien widersprüchliche Aussagen. Eindeutig klären können sie diese strittige Frage nicht. Bei einer Untersuchung der Firma comScore/Pew gaben im Frühjahr 2003 noch 52 Prozent der 18- bis 29-jährigen Befragten an, Musik aus Tauschbörsen herunterzuladen. Im Zuge der Klagewelle, bei der die RIAA seit September bisher 1445 US-Bürger rechtlich belangt hat, sank dieser Wert im Herbst auf 28 Prozent. Eher unstet präsentieren sich dagegen die Ergebnisse der NPD Group über die Zahl der Downloads bei Kazaa: Wurden im August 2003 noch 161 Millionen Songs getauscht, sank der Wert im September auf 143 Mio. Im Oktober ging’s wieder rauf auf 166 Mio. um im November den Höhepunkt mit 198 Mio. Songs zu erreichen und im Dezember auf 155 Mio. zurückzupendeln. Indes fand Nielsen/NetRatings heraus, dass von August bis Dezember 2003 rund drei Mio. Computerbesitzer die Kazaa-Software von ihrem Rechner gelöscht haben. Die RIAA sieht in diesen Zahlen einen klaren Sieg ihrer Strategie: „Piraterie wird es immer geben“, kommentierte ein Sprecher die Untersuchungen. „Aber die meisten werden es nicht machen, da sie die rechtlichen Konsequenzen kennen.“ Ganz anders interpretiert ein Analyst der Marktforscher von BigChamapagne die veränderten Zahlen: Die Nutzer hätten aus den Klagen gelernt, ihre Tauschaktivitäten besser zu verbergen, indem sie etwa auf private Netzwerke ausweichen oder ihre Identität verschleiern. Und nicht zuletzt hätten sie gelernt, ihr P2P-Hobby eher geheim zu halten. „Das Runterladen von Musik ist in der Öffentlichkeit mittlerweile ebenso verpönt wie rauchende Teenager. Deswegen wissen die Leute, dass sie sich bei diesem Thema besser ruhig verhalten.“
Klagen machen P2P-Nutzer vorsichtiger
Ob die Klagen der RIAA tatsächlich zu einem Rückgang illegaler Tauschaktivitäten führen, können auch zahlreiche US-Studien nicht eindeutig klären.


