“Ich bin heute hier zu Ihnen gekommen, um sowohl über das große Versprechen einer digitalen Zukunft als auch über das damit verbundene Gefahrenpotenzial für alle Kreativen zu sprechen. Ich denke, dass das Internet ein tolles neues Vertriebssystem sein wird, um Familien auf der ganzen Welt mit der besten visuellen Unterhaltung zu versorgen. Überall auf der Welt werden Konsumenten eine weitere Möglichkeit erhalten, Filme zu sehen. Aber wir können es uns nicht erlauben, uns von den Aussichten des neuen großartigen Mediums so verführen zu lassen, dass wir den staatlichen Schutz unserer wertvollen kreativen Arbeiten in digitaler Form vernachlässigen. In meiner Heimat hängen viele Leute einer merkwürdigen Philosophie an. Diese stellt die alte bürgerliche Moral auf den Kopf, die uns sagt, dass es falsch ist, ohne die Einwilligung des Eigentümers zu nehmen, was einem nicht gehört. Es ist falsch, diese Abmachung, die eine freie Gesellschaft zusammenhält, zu brechen. Es ist falsch, eine zerlumpte Moral anzunehmen, die alles, was im Internet zu finden ist, als frei verfügbar erklärt. Es ist falsch, illegal Filme downzuloaden, Zahlungen an deren Autoren und Rechteinhaber mit Verachtung von sich zu weisen, und die Erlaubnis der Eigentümer einzuholen für eine Dummheit zu halten, um die sich nur Idioten kümmern. Es ist falsch, darauf zu beharren, dass die neue digitale Welt eine Welt ist, in der niemand etwas bezahlt. Wenn es jemals ein Thema gab, das die Kreativen der Welt, vereinen sollte, dann ist es die digitale Piraterie.
Diejenigen, die Filme aus dem Internet stehlen oder illegal DVDs kopieren – stehlen ist ein hartes Wort, aber es trifft exakt den Sachverhalt – sind nicht wählerisch. Sie stehlen alle Filme, unabhängig ihres nationalen, ethischen oder kulturellen Ursprungs. Populäre Filme sind Freiwild für Diebstahl. Daher sind wir alle verwundbar. Was müssen wir tun? Lasst uns erstens eine globale Allianz zum Schutz kreativer Arbeit in der digitalen Welt bilden. Niemand von uns kann dieses Problem allein lösen. Wir brauchen einander, weil wir alle dieselbe Sprache sprechen. Lasst uns mit dem Aufbau der globalen Allianz mit allen Ländern, die ihre wertvollen kreativen Werke schützen wollen, beginnen. Zweitens müssen wir gemeinsam technologische, staatliche und private Instrumente entwickeln, um den Piraten nicht kampflos das Feld zu überlassen.
In Deutschland ist derzeit der parlamentarische Prozess zur Umsetzung der EU-Copyright-Direktive in vollem Gang. Dies ist Ihre erste Verteidigungslinie im Kampf gegen die Piraterie. Ist die Implementation schwach und zögerlich, ist die Schlacht zum Schutz der digitalen Welt verloren, bevor sie beginnt. Der letztendliche Beschluss muss stark, hart und kompromisslos sein. Ist er es nicht, sind alle bisherigen und alle künftigen Werke in Gefahr. Deutschland und die Europäische Union müssen darüber hinaus eine mit scharfen Werkzeugen ausgestattete Durchführungsbestimmung schaffen. Denn bleibt diese Direktive weich und schwammig, werden diejenigen ermuntert, die Diebstahl betreiben, sowohl von analogem als auch von digitalem Format. Seit kurzem dringt die physische Piraterie, die bislang größtenteils eine asiatische Plage war, nach Europa und bedroht den legalen Markt.
Russland entwickelte sich zur gefährlichen Brutstätte für illegale DVDs, die von dort nach Mittel- und Westeuropa kommen. Die GVU startete zum Gegenschlag. Wir können der GVU für ihren mit hartnäckiger Wachsamkeit geführten Anti-Piraterie-Kampf nur danken. Nach Schätzungen werden 70 Prozent der in Deutschland raubkopierten Filme über das Internet vertrieben. Die GVU kontrolliert Websites, Homepages von Internetaktionshäusern, Mailinglisten und Chatrooms und macht die Onlinepiraten ausfindig. Der weltweite Siegeszug der DVD ist erstaunlich. In Deutschland stiegen die DVD-Verkäufe 2001 um 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese enorme Umsatzsteigerung entspricht der eindrucksvollen Wiedergabe von Bildern, Farben sowie einem tollen Klangerlebnis als Basis für den Publikumserfolg.
Diese kostbare neue Möglichkeit Filme anzuschauen, darf nicht von den Piraten zerstört werden. Wir müssen eine globale Allianz schaffen, indem wir kreative Gemeinden aus der ganzen Welt zusammen bringen. Die Allianz ist bereits im Entstehen. Am 14. Oktober kamen Vertreter von Anti-Piraterie-Organisationen aus der gesamten EU nach Brüssel. Sie berieten über Strategien im gemeinsamen Kampf gegen Diebstahl geistigen Eigentums. Wir müssen jetzt die uns verbindende gemeinsamen Bande weiter knüpfen und eine Serie regionaler Treffen von Anti-Piraterie-Experten in Nordamerika, Asien, Afrika und Asien initiieren. Unser gemeinsamer Ruf sollte lauten: We’re mad as hell and we are not going to take it anymore.“



