Tage nach der Sturm- und Flutkatastrophe an der Golfküste der USA liegen die Nerven bei Opfern und Helfern blank. In einer Live-Show, die Zuschauer zu Spenden ans Rote Kreuz aufrief, platzte auch Rapper und Produzent Kanye West der Kragen. Er beschimpfte die Bush-Regierung und warf den Behörden Rassismus vor.
„George Bush sind die Schwarzen völlig egal“, sagte der Grammy-Sieger im Rahmen des Benefizprogramms „A Concert for Hurricane Relief“, das der Sender NBC und die angeschlossenen Stationen CNBC, MSNBC und Pax am Freitag, den 2. September, live ausstrahlten. Den Armen, den Schwarzen und Minderbemittelten werde offensichtlich so langsam wie möglich geholfen, sagte West, der damit eine neue Rassendebatte in den Vereinigten Staaten auslöste.
Führende afroamerikanische Würdenträger wie Al Sharpton oder Jesse Jackson stimmten dem Musiker bereits zu, während rechtskonservative Kräfte ihm rassistische Demagogie vorwarfen. „Wir haben doch längst erkannt, dass viele der Menschen, die jetzt für die Hilfe benötigt würden, sich woanders in einem Krieg befinden“, kritisierte der Künstler, der aller Voraussicht nach ab der kommenden Woche mit seinem Album „Late Registration“ Platz eins der US-Charts übernehmen wird.
Der afroamerikanische Bevölkerungsanteil im Süden der USA ist traditionell sehr hoch, in New Orleans liegt er bei knapp 70 Prozent. Nach ersten Schadensanalysen sind besonders die Wohngebiete der sozial schwachen Bewohner der Stadt von den Folgen der Naturkatastrophe betroffen. „Ich hasse es auch, wie sie uns in den Medien darstellen“, beschwerte sich West. „Wenn sie eine schwarze Familie zeigen, sprechen sie von Plünderungen. Bei weißen Familien heißt es, sie suchen nach Nahrungsmitteln.“ Diese Vorwürfe sind bedauerlicherweise nicht aus der Luft gegriffen: Große internationale Nachrichtenagenturen hatten in der Tat Bilder vom Flutelend gezeigt, wo Weiße, die mit erbeutetem Essen fotografiert waren, als „erfolgreich bei der Nahrungssuche“ und Schwarze als „Plünderer“ bezeichnet wurden.
Beim Sender NBC distanzierten sich die Verantwortlichen indes umgehend von den Äußerungen Wests, der vom vorbereiteten Text abgewichen sei. „Es wäre zu schade, wenn die Meinung eines Einzelnen den Einsatz der Künstler in dieser Sendung und die Großzügigkeit der amerikanischen Spender in den Schatten stellen würde“, hieß es im Anschluss. Bei der Show traten u.a. auch Faith Hill, Tim McGraw, Harry Connick jr. und Wynton Marsalis auf.



