Musik

Kampnagel Kulturfabrik gegen Balls Records: Hamburgs Kultursenatorin unter Druck

Vor dem Hamburger Landgericht fand die erste Anhörung im Rechtsstreit Kampnagel Kulturfabrik versus Balls Records statt. Dem Label wurde nach 20 Jahren fristlos der Mietvertrag gekündigt, jetzt soll Kultursenatorin Christina Weiss als städtische Eigentümerin des Geländes in den Zeugenstand.

Die Musikproduktionsfirma Balls Records und ihr FNF Tonstudio gehören seit Anfang an zur Kampnagel Kulturfabrik. Im Lauf der Jahre bemühte sich der Senat um eine Kommerzialisierung des Betriebes und überließ zuletzt das Management des Geländes einer GmbH. Diese sprach nun die fristlose Kündigung aus, was in Hamburg für große Empörung in der Musikszene sorgt.

Das Independent-Label bestreitet die Zuständigkeit des heutigen Betreibers, von der hanseatischen Kulturbehörde habe man ein unbe-fristetes und kostenfreies Nutzungsrecht über einen Trägerverein erhalten, mit Fürsprache der Kultursenatorin, „so lange, wie auf Kampnagel Kultur betrieben wird“. „Freie Gruppen“, also staatlich nicht finanzierte Kulturschaffende, waren Träger des international anerkannten Kulturprojektes; das gesamte Gelände gehört der Stadt.

Balls Records investierte eine sechsstellige Summe um einen maroden Anbau vor dem Abriss zu retten und die Technik zu installieren. Das Label, gegründet von der Band Big Balls, die kürzlich ein Album mit Sänger und Schauspieler Jan Fedder („Großstadtrevier“) veröffentlichte, sieht sich als Abfall der Geschichte.

Mitinhaber Alfred Grund sagte im Gespräch mit musikwoche.de: „Wir sind die letzten Mohikaner auf Kampnagel, alle anderen freien Gruppen wurden bereits vom Yuppie-Management vertrieben. Der Hamburger Senat hat kein Herz für Independents und freie Künstlergruppen! Es zählt nur die Logik der abgehobenen Pfeffersäcke!‘