“Frau Werding, wir wussten ja gar nicht, dass Sie eine neue Platte haben“, diese Worte hört Juliane Werding auf ihren Konzertreisen am häufigsten von ihren Fans, wie die Sängerin aus Essen im Gespräch mit musikwoche.de berichtet. Die schlechte Situation für deutschsprachige Künstlers ihres Genres in den Medien war auch der Grund, warum ihre neue CD, „Es gibt kein Zurück“, mehrmals verschoben wurde und nun am 27. August erscheint.
„Wir wollten die Veröffentlichung ursprünglich an eine dann abgesagte Fernsehsendung knüpfen“, erklärt Werding, die nun mit einem Schub rechnet, wenn sie am 28. August in der ARD bei den Sendungen „Wunschbox“ und „Hübners Schlagerparty“ auftritt sowie einen Monat später bei den ARD-„Heimatklängen“ wieder zu sehen ist. Dennoch nutzt sie für die Vermarktung ihrer neuen Platte ganz bewusst auch das Internet: „Das Netz bietet eine gute Alternative und hervorragende Möglichkeiten, direkt mit den Fans Kontakt zu halten.“
Im Vergleich mit den 80er und 90er Jahren habe sich „die Mediensituation verschlechtert. Es sieht ziemlich düster aus. Das liegt am Formatradio und an den kaum noch vorhandenen Fernsehsendungen, wo Musik wie meine noch stattfinden kann. Gerade bei den großen Unterhaltungssendungen waren damals die Verantwortlichen den deutschen Künstlern gegenüber noch positiver eingestellt.“
Einen erfreulichen Neuanfang sieht die Künstlerin bei Polydor, nachdem der WEA-Vertrag ausgelaufen war: „Es gibt neue Möglichkeiten, wenn man mit einem Team beginnt. Denn die Leute sind dann frisch, beschäftigen sich besonders mit dem Thema und lassen ihre Kreativität spielen. Und das kann manchmal leichter sein als in einem eingespielten Team, das schon seit 15 Jahren zusammen ist.“
So habe man ihr zuletzt bei WEA vorgeschlagen, ihr nächstes Album im Stile der Traveling Wilburys einzuspielen. Gemeinsam mit ihren Produzenten Dieter Falk und Andreas Bärtels setzte Werding jedoch auf eine „Kombination aus der hohen Schule des 70er-Jahre-Songwriting mit den modernen Technologien. Denn die Melodien verändern sich kaum, ein Lied bleibt ein Lied. Was es modern oder unmodern macht, ist nur das Arrangement.“
Bei der neuen CD gelingt es Werding, einen Reigen starker Melodien mit zeitgenössischer Studiotechnik wie programmierten Drum-Grooves zu kreuzen, während bei den opulenten Streicher-Arrangements nur echte Violinen zum Einsatz kamen. Mit der ersten Single, „Daisy“, belebt die Sängerin ihre Tradition, einen deutschen Text auf einen englischen Song zu verfassen: Nach den Titeln „The Day They Drove Old Dixie Down“ und „Moonlight Shadow“, die sie auf deutsch in die Charts führte, inspirierte sie diesmal der Song „One To Make Her Happy“ des Sängers Marque: „Ich fand den Song süß und wollte mal ausprobieren, ob das Stück mit einem deutschen Text funktioniert.“
Wie schon in der Vergangenheit war Werding an vielen Titeln für Musik und Texte verantwortlich und schreckte auch vor ungewöhnlichen Themen wie Geschlechterverwirrspielen oder dem Elend in Äthiopien nicht zurück: „Die Texte müssen authentisch sein. Man sollte nicht alles glattschmirgeln, damit es jedem gefällt. Denn dann gefällt es hinterher keinem mehr.“



