Musik

Juliana Hatfield – Musik als Lebenselexier

Die 18 Jahre ihrer bisherigen Karriere verliefen alles andere als planmäßig. Die Sängerin und Songwriterin aus Massachusetts sorgte in den 90er-Jahren mit Alben wie „Hey Babe“ und „Become What You Are“ sowie durch ihre Mitwirkung am Longplayer „It’s A Shame About Ray“ der Alternative-Rockband Lemonheads für Aufsehen. nach einer längeren kreativen Pause meldet sich die 37-jährige Künstlerin nun mit „In Exile Deo“ zurück.

Die besondere Magie ihrer Stimme ist noch immer nicht verflogen. Juliana Hatfield hat nach zahlreichen persönlichen Krisen wieder zu sich selbst gefunden und knüpft mit „In Exile Deo“ dort an, wo sie Mitte der 90er-Jahre nach und nach den Faden verloren hat. Ihre Songs strahlen noch immer jene eigenwillige Zerbrechlichkeit aus, die schon vor mehr als zehn Jahren ihre Musik, wenn auch nur unbewusst, auszeichnete. „Dieses Album markiert für mich einen Wendepunkt. Zum ersten mal seit langer Zeit hatte ich wieder ein Budget zur Verfügung, das es mir erlaubte, mit einem Arrangeur und einem Streichquartett zu arbeiten. Zudem hatte ich mehr Zeit zur Verfügung, Songs zu schreiben. Normalerweise arbeite ich sehr schnell und direkt. Diesmal konnte ich mich einfach mehr auf die Details konzentrieren.“

Und das hört man den Stücken auf „In Exile Deo“ auch deutlich an. Die leichte Melancholie vieler Songs, allen voran die zerbrechliche Ballade „Tomorrow Never Comes“, wirkt nie aufgesetzt. Juliana Hatfield hat alle Höhen und Tiefen des Musikbusiness in den vergangenen zwei Jahrzehnten kennen gelernt. So leicht kann sie nichts mehr erschüttern. „Wenn ich zurückblicke, dann muss ich zugeben, das ich nicht immer so genau wusste, was in meinem Leben eigentlich vorgeht.“ Das hat sich jetzt geändert. „Ich weiß, es klingt seltsam, aber lange Zeit stand ich neben mir. Erst jetzt ist es mir gelungen, mich von diesem Gefühl zu befreien.“ Ein wenig mitgeholfen hat dabei Co-Produzent David Leonard, wie sie sagt. In der Vergangenheit hat er bereits mit Avril Lavigne und John Mellencamp zusammengearbeitet. „Zum ersten Mal in meinem Leben ist mein Verhältnis zu meiner eigenen Musik völlig unverkrampft“, beschreibt Juliana Hatfield ihre neue Situation.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt dabei auch ihre Band. „Ich habe mit den meisten Musikern bereits vorher in der einen oder anderen Weise zusammengespielt und kenne sie eine ganze Weile. Trotzdem kommt es mir so vor, als wenn wir erst jetzt richtig zueinander gefunden hätten.“ Elf der 13 Songs auf „In Exile Deo“ hat Juliana Hatfield selbst produziert. „Bis auf wenige Ausnahmen fällt es mir inzwischen leicht, selbst zu entscheiden, wie ein Song zu klingen hat. Bei den beiden Stücken, bei denen ich mich nicht entscheiden konnte, hat mir David Leonard geholfen.“ Als Songwriterin ist sie hörbar gereift. Wie sie zum Beispiel im Song „Sunshine“ die Geschichte ihres Lebens in drei Minuten auf den Punkt bringt, ist einzigartig. Trotz der vielen Rückschläge, die sie über die Jahre einstecken musste, ist sie keineswegs verbittert. „Je älter ich werde, desto mehr scheine ich die Kontrolle über mein Leben und meine Musik zu gewinnen“, bekennt sie freimütig. „Und so lange dabei Platten wie,In Exile Deo‘ herauskommen, gibt es keinen Grund für mich, an diesem Weg zu zweifeln. Ich kann jetzt selbst entscheiden, wohin meine Reise geht.“