musikwoche.de: Eine Agentur macht sich in der Regel zuerst einmal Gedanken über die Attribute und Assoziationen, die sich mit dem Namen des Kunden verbinden. Was assoziieren Sie mit „MTV“?
Johnny Haeusler: Bei unserem ersten Brainstorming haben wir in der Tat solche Assoziationen gesammelt. Dabei haben sich zwei Schlüsselbegriffe herauskristallisiert: „Schnelligkeit“ und „Innovation“. Gerade im für uns als Agentur ja sehr relevanten Bereich „Design“ hat MTV schließlich früh Trends gesetzt, ist da von Anfang an sehr innovativ gewesen. Allerdings stand für manche in der Runde der Begriff „MTV“ auch für die Kommerzialisierung von Musik, die wir vor dem Aufkommen des Senders noch nicht in dieser Form kannten, wie wir sie heute haben.
mw: Was waren Ihre Kernüberlegungen beim Relaunch von MTVhome.de? Wo lagen die größten Schwierigkeiten?
Haeusler: Das größte Problem war, dieses große, ungeheuer umfangreiche Angebot übersichtlicher zu strukturieren. Die Site hat inhaltlich so extrem viel anzubieten, dass der User in der alten Gestaltung viele Inhalte gar nicht wahrgenommen hat. Zweitens wollten wir diese Übersichtlichkeit natürlich mit dem innovativen visuellen Anspruch von MTV verbinden. Die Site sollte schon poppig wirken, aber eben auch nicht nerven. Einen Videoclip sieht man schließlich nur drei Minuten an, eine Website aber monatelang.
mw: Vollzog sich mit dem Domainwechsel mehr als nur eine technische Umbenennung?
Haeusler: Speziell im Fall von MTV ist da mehr dahinter: Sofort nach dem Wechsel sind die Zugriffszahlen auf die Site deutlich gestiegen. Kein Wunder: Nicht alle Jugendlichen wussten, dass die Website von MTV „MTVhome.de“ hieß, nicht gerade die logischste Domain. Dass sich das jetzt geändert hat, war psychologisch und für die Zugriffszahlen unheimlich wichtig.
mw: Welche Vorstellungen haben sie im Laufe der Arbeit von den Nutzern der MTV-Website entwickelt?
Haeusler: Wir konzentrieren uns ja grundsätzlich auf B2C-Projekte und wissen daher, wie wichtig das Community- Element ist. Deshalb haben wir im Lauf der Arbeit mit vielen Leuten geredet, auch mit solchen aus anderen Communities. Was dabei ganz klar wurde: Die Leute sind hauptsächlich an schneller Informationsbeschaffung interessiert. Eine gut navigierbare News-Sektion ist deshalb viel wichtiger als spacige Animationen und dergleichen. Auch sind die jungen User des Internets, da machen die von MTV.de keine Ausnahme, viel cleverer als oft angenommen wird.
mw: Wo sehen Sie Beschränkungen in der Entwicklung von MTV.de?
Haeusler: Da gibt es eigentlich nur zwei grundlegende Beschränkungen: Zum einen ist vieles, was inhaltlich denkbar ist, schlicht aus technischen Gründen nicht sinnvoll, solange noch keine superschnellen Anschlüsse für alle da sind. Zum anderen gibt es rechtliche Beschränkungen, etwa was den online Verkauf von Musikdateien auf einer solchen Site anbelangt. Und natürlich ist eine noch höhere Konvergenz mit dem TV-Programm wünschenswert, da ist einiges in Planung. Internet ist nicht Fernsehen, deshalb konzentrieren wir uns derzeit darauf, auf der Website Mehrwert zum MTV-Programm und möglichst viele Interaktionsmöglichkeiten und Webclusives für die User zu bieten.
Im Dienst von MTV
Die defcom webdressing GmbH ist eine Berliner Kreativ-Multimedia-Agentur mit dem Schwerpunkt im Business-To-Consumer-Bereich. Zu ihren Kunden gehören neben MTV auch Firmen wie Columbia Records und stud!o k7 sowie Bands wie Fettes Brot und die Lemonbabies. Die Firma wurde 1994 als Einzelunternehmen von dem ehemaligen Musiker und Radio-DJ Johnny Haeusler gegründet und firmiert seit 1999 als defcom webdressing GmbH. Sie beschäftigt derzeit 16 Mitarbeiter. Zum Jahresbeginn 2001 hat sich die defcom in einer strategischen Allianz mit der Werbeagentur Zum Goldenen Hirschen Berlin zusammengeschlossen.



