Der frühere Sänger, Gitarrist und Songwriter Joe Strummer ist im Laufe seiner knapp 30-jährigen Karriere zum „Elder Statesman“ der Szene avanciert. Strummer wusste, wie man einen guten Song schreibt: „Du musst eine Mischung aus Idiot und Genie sein“, erzählte er gern in Interviews. Seine Songs verbanden die Welt des belesenen Gelehrten mit der des Mannes auf der Straße. Hinzu kam seine Offenheit für musikalische Spielarten. Musik war für ihn stets „Politik mit anderen Mitteln“. Entsprechend bunt gemischt fielen die ersten beiden Platten seiner letzten Band, The Mescaleros, aus. Auf „Rock Art & The X-Ray Style“ (1999) und „Global A Go-Go“ (2001) tummelten sich Irish Folk, kolumbianischer Cumbia, amerikanischer Country-Blues, jamaikanischer Ska, afrikanische Chöre, kubanische Rhythmen und viele weitere Zutaten. Mit dem posthum am 20. Oktober erscheinenden Album „Streetcore“ (Hellcat/Epitaph/SPV) kehrten Strummer und die Mescaleros zum Rock’n’Roll zurück. Für Keyboader Martin Slattery ein längst überfälliger Schritt: „Im Laufe der Jahre sind wir eine richtig coole Live-Band geworden. Der Plan war, die Rock’n’Roll-Energie diesmal von der Bühne zurück ins Studio zu bringen. Außerdem wollten wir bei Konzerten keine Clash-Coverversionen mehr spielen, sondern eigene Rocksongs bringen.“ Strummers Experimentierlust war ungebrochen: „Seine Energie war unglaublich. Man muss seinen Mut bewundern, es ist schließlich nicht leicht, Akzeptanz für Neues zu gewinnen. Joe war die treibende Kraft der Mescaleros. Er hat uns stets in den Hintern getreten.“
Neben Rocktiteln enthält die Platte einen Gospelsong („Get Down Moses“), einen Tribut an Bob Marley („Redemption Song“) und mit „Long Shadow“ ein Lied, das Strummer ursprünglich für Johnny Cash geschrieben hatte. „Joe liebte Cash“, weiß Slattery. „Für mich ist es eine große Ehre, dass er dieses Lied uns überlassen hat.“ Es enthält einen Satz, der durchaus als Motto über Strummers Leben stehen könnte: „Somewhere in my soul/There’s always Rock’n’Roll.“


