Musik

Jocelyn B. Smith: Stille Nacht, jazzige Nacht…

Jocelyn B. Smith steckt auf ihrem neuen Album „My Christmas Experience“ (Blondell/edel Contraire) Weihnachts-Klassiker in ein jazziges Kostüm.

Ein etwas anderes Weihnachtsalbum bietet Jocelyn B. Smith mit „My Christmas Experience“. Die in Berlin lebende Amerikanerin präsentiert auf ihrer neuen CD klassische Weihnachtslieder wie „Silent Night“, „Jingle Bells“, „The Little Drummer Boy“ oder den Klassiker „Rudolph The Red-Nosed Reindeer“.

Dennoch ist das von KüsterCom promotete Album alles andere als ein gewöhnlicher Soundtrack für die Adventszeit. Ganz im Gegenteil: Zum einen intoniert die 41-jährige Sängerin mit „A Solis Ortus Cardine“ auch gregorianisches Liedgut aus dem 5. Jahrhundert neu oder hält mit der Bach-Arie „Bereite Dich, Zion“ auch klassisch eingefärbte Töne parat. Ob Gospel, Weihnachtslied oder Klassik – Jocelyn B. Smith macht aus jeder Vorlage einen waschechten Jazzsong.

Dass die Sängerin, die 1998 mit dem Brecht/ Weill-Album „Blue Light & Nylons“ ihren bislang größten Erfolg feierte, damit den einen oder anderen Käufer verstören könnte, befürchtet sie nicht: „Die Leute erwarten von mir nicht die üblichen Weihnachtslieder. Sie sind auf diese Art der Interpretation vorbereitet.“ Wenn nicht, wird so manchem Hörer bestimmt ein Aha-Erlebnis beschert.

Andererseits kann man die CD bedenkenlos auch dann noch hören, wenn der Christbaum schon längst zu Kleinholz gehackt ist – schon allein wegen „Amazing Grace“, dem gefühlvollen Bonus-Track des Tonträgers. Es handelt sich dabei um den Live-Mitschnitt des Benefiz-Konzerts vom 14. September in Berlin für die Terror-Opfer in den USA. Die Resonanz auf Smiths Beitrag war überwältigend.

Dennoch war ursprünglich nicht geplant, diese Aufnahme zu veröffentlichen. „Eigentlich sollte ‚St. Claus Is Coming To Town“ noch mit auf das Album“, schreibt die Sängerin in den Liner-Notes im Booklet, „doch wir haben dafür die Bearbeitungsgenehmigung nicht rechtzeitig erhalten.“ Also war der Platz frei – für „Amazing Grace“. „So kam es zustande“, sagt die Sängerin, „und nicht aus irgendwelchen Marketing-Überlegungen.“