Musik

Joachim Kirschstein, Geschäftsführer Universal Marketing Group: „Das Problem ist hausgemacht‘

leitet seit März dieses Jahres die , die bis zum 1. August unter dem Namen Polymedia Marketing Group firmierte. musikwoche.de fragte den Musikmanager nach den Perspektiven auf dem Compilation-Markt.

musikwoche.de: Der Compilation-Markt leidet unter sinkenden Umsatzzahlen – auch wegen der CD-Brennerei. Wie wollen Sie diesem Problem begegnen?

Joachim Kirschstein: Das illegale Brennen von CDs ist eines unserer Probleme, aber nicht das entscheidende. Wir werden im Herbst mit einem Kopierschutz antworten, der keine hundertprozentige Sicherheit bringen kann, aber die Barriere für den Mainstream-Käufer deutlich höher legt. Das eigentliche Problem ist aber hausgemacht: Unsere Produktangebote sehen aus wie vor zehn Jahren – und werden auch genauso kommuniziert. Das kann nicht gutgehen, wenn die Entertainment-Konkurrenz gleichzeitig mit neuartigen Produkten für die jungen Zielgruppen den Markt revolutioniert. Wir müssen uns schneller bewegen als bisher. Natürlich trifft uns diese Entwicklung auch deshalb so hart, weil wir 80 Prozent unserer Produkte für Jugendliche entwickeln. Und somit über 70 Prozent der Compilation-Käufer vernachlässigen. Wir brauchen mehr Produkte für Kinder, für an der Szene orientierte junge Erwachsene und für den Mainstream der 40- bis 60-Jährigen.

mw: Sehen Sie überhaupt noch Wachstumschancen im Compilation-Bereich?

Kirschstein: Noch nie waren Compilations für unsere Zielgruppen attraktiver als heute. Das massenhafte CD-Brennen ist Ausdruck des Wunsches nach einer individuellen Zusammenstellung von Lieblingstracks. Darauf werden wir antworten. Auch szenische Sampler stehen heute weit höher im Kurs als noch vor ein paar Jahren; unsere HipHop-Compilation ist ein erfolgreiches Beispiel. Es fehlen uns hier noch Produkte und Formate, um den Bedarf in Business umzuwandeln.

mw: Was erwarten Sie vom neuen Polystar-Führungsduo?

Kirschstein: Ich bin dankbar, dass und in einer Situation des Umbaus und Aufbruchs diese Aufgabe übernommen haben. Sie stehen auf einem soliden Fundament attraktiver Marken. Sie haben ein starkes PM-Team hinter sich. Ich erwarte, dass sie mit Engagement alle Reformen und Innovationen vorantreiben, die notwendig sind. Dazu gehört der Mut, quer zu denken und neue Wege zu gehen.