Musik

Jede Menge Spaß mit Live-Sessions

Blumentopf zählt längst zu den führenden Vertretern der HipHop-Szene in Deutschland. Mit „Musikmaschine“ veröffentlicht die Band nun ihr ambitioniertestes Werk.

Vor zehn Jahren veröffentlichte Blumentopf die erste EP. Verschleißerscheinungen lassen sich bei der Band, die mit ihren gerappten Kommentaren zum täglichen WM-Geschehen dieses Jahr viele Sportfreunde erfreute, trotz dieser langen Zeit im Musikbusiness nicht ausmachen. Im Gegenteil: Das Quintett, das 2005 mit Hilfe des Goethe-Instituts eine Nahosttournee unternahm, überrascht auf „Musikmaschine“ mit ungewohnten Klängen.

Sorgte früher vor allem Sebastian Weiss alias Sepalot für die richtigen Beats, so ist inzwischen die ganze Formation in den musikalischen Entstehungsprozess mit eingebunden. Entsprechend abwechslungsreich klingen die Songs auf „Musikmaschine“. Blumentopf reihen geradezu Hit an Hit, angefangen bei dem mit schweren Funk-Beats infizierten Stück „Lass die Show“ über das ebenso eingängige „Gute Musik“ bis hin zum lässig groovenden „Die City schläft“.

Künstlerische Pause

Nach dem letzten Longplayer, „Gern geschehen„, der 2003 erschien und Rang sieben der Charts erreichte, ging die Band ausgiebig auf Tournee – und danach war die Luft raus bei den fünf Bandmitgliedern. „Als wir damals wieder nach Hause kamen, war für jeden klar, dass wir erst einmal Abstand gewinnen mussten und jeder von uns sich mit anderen Sachen beschäftigen wollte“, erklärt Sepalot.

Blumentopf suchten einen neuen Ansatzpunkt, um sich musikalisch nicht im Kreis zu drehen. Und genau das ist mit „Musikmaschine“ vortrefflich gelungen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg: Mitte 2005 machte sich die Band im Studio gemeinsam an die Arbeit für das neue Album. „Wir legten einfach los, ohne fest definiertes Ziel vor Augen“, berichtet Sepalot. „Die ersten Stücke, die wir aufnahmen, waren ausschließlich Instrumentals.“

Spaß steht im Vordergrund

Die fünf Musiker wollten sich damit selbst überraschen und neu motivieren. „Es wäre wahrscheinlich sehr schwierig geworden, eine Platte einzuspielen, bei der alles wie immer gewesen wäre“, ergänzt MC Roger Manglus. Dabei spricht für die Gruppe, dass sie instinktiv fühlte, was sie ändern musste: „Im Vordergrund stand zuerst einmal, dass wir bei unseren Jam-Sessions jede Menge Spaß hatten. Unser Ziel war es nicht, jeden Tag einen Song zu schreiben.“

Die neue Platte klingt insgesamt kantiger, ohne dass die Stücke jedoch dadurch ihre Eingängigkeit einbüssen würden. „Für uns stand eindeutig der Gemeinschaftscharakter der ganzen Produktion im Vordergrund“, sagt Sepalot. „Das ist in diesem Genre die absolute Ausnahme.“ Mit diesem Ansatz setzen sich Blumentopf bewusst von anderen HipHop-Formationen ab. „Man hört einfach, dass diese Platte ein Bandalbum geworden ist“, meint Sepalot – und das ist ihm wichtig.

Ab Oktober gehen Blumentopf mit einer richtigen Live-Gruppe auf Tournee, um das neue Album vorzustellen. Und wer die Bayern in den vergangenen Monaten schon bei einem Konzert erlebt hat, der weiß, wie gut dieses Konzept funktioniert.