Musik

Jean-Marie Messier und seine Geschäftsstrategie: Vivendi Universal auf Internet-Kurs

Am 17. August wird Jean-Marie Messier um 11 Uhr die Keynote-Rede der Popkomm. halten, ihr Thema: „Business Models Digital“. Seit der Fusion des französischen Mischkonzerns Vivendi mit dem TV-Sender Canal Plus und der Universal-Mutter Seagram zum zweitgrößten Medien- und Unterhaltungskonzern der Welt gestaltet Messier als Chairman und CEO auch die Internetpolitik von Vivendi Universal.

Dabei bestimmen in der Konzernsparte Musik Kooperationen und Akquisitionen die Unternehmensstrategie. Nach der Ende 2000 abgeschlossenen Fusion verkaufte Vivendi Universal zunächst die von Seagram übernommene Getränkesparte. Den Erlös in Höhe von 8,15 Milliarden Dollar will Messier für das Wachstum in den Bereichen Entertainment, Medien und Kommunikation einsetzen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Entwicklung von zukunftsträchtigen Internet-Geschäftsmodellen bei der Universal Marketing Group. Es ist das Ziel von Messier, durch nichtexklusive Kooperationen den Katalog der Universal Music Group über mehrere Plattformen möglichst vielen potenziellen Kunden zugänglich zu machen. Das Unternehmen sei offen für viele verschiedene Online-Distributionsmodelle, etwa die Lizenzierung an andere Anbieter, solange das Urheberrecht gewahrt bleibe, erklärte Messier im Januar.

Eigener Online-Dienst pressplay

Einen Monat später gab Vivendi Universal die Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures mit Sony Music bekannt. Als Konkurrenz zu Napster und zu MusicNet, dem gemeinsamen Projekt von BMG, EMI, Warner und RealNetworks, planten die beiden Partner mit Duet einen eigenen Online-Musikdienst. Einer von Bertelsmann vorgeschlagenen Allianz der Musikindustrie mit der umstrittenen Tauschbörse erteilte Messier damit eine Absage.

Als der Musikdienst auf gerichtliche Anordnung im März mit dem Sperren nicht-lizenzierter Musiktitel begann, erklärte Messier, Duet könne bei gegebener Sicherheit durchaus Musik an Napster lizenzieren. Der eigene Dienst, der im Frühjahr in pressplay umbenannt wurde, soll im Spätsommer oder Herbst in den USA starten. Zugang erhalten die Kunden über die Websites von Partner-Firmen, darunter der Suchdienst Yahoo! mit seinem Musikangebot Yahoo! Music. Darüber hinaus will pressplay Lizenzabkommen mit anderen Majorfirmen schließen, um sein Angebot zu erweitern. Im Juli gab pressplay eine Kooperation mit dem Software-Giganten Microsoft bekannt.

Einen weiteren Teil der Konzern-Strategie zur Stärkung der Online-Aktivitäten und zum Aufbau einer technologischen Basis für pressplay stellte die Übernahme von MP3.com für rund 372 Millionen Dollar im Mai dar. Künftig stellt MP3.com seine Technologie zum digitalen Vertrieb und für die Abonnenten-Verwaltung von pressplay zur Verfügung. Neben Yahoo! und Microsoft ist MP3.com offizieller Vertriebspartner. Messier ernennt den bisherigen MP3.com-Chef Michael Robertson zu seinem Sonderberater für digitale Distribution.

Desweiteren fügte Vivendi Universal im ersten Halbjahr 2001 mit Emusic eine bis dahin unabhängige Online-Firma zu seinen bestehen- den Internet-Ablegern GetMusic und Farmclub hinzu. Somit hat der Konzern eigenen Angaben zufolge Zugang zu über 40 Millionen registrierten Nutzern. Kurz darauf kündigte Messier an, für die kommenden Monate keine weiteren Zukäufe zu tätigen und sich auf das interne Konzernwachstum zu konzentrieren.

Im Zuge der Ankündigung trennte sich der Konzern daraufhin von seiner 55-prozentigen Beteiligung an AOL France und erhielt dafür Vorzugsaktien bei AOL Europe im Wert von 725 Millionen Dollar. Ebenso wurde der gemeinsam von Vivendi Universal Publishing und Bertelsmann betriebene Onlineshop bol.fr zum 1. August geschlossen.

zur person Jean-Marie Messier

Chairman und CEO von Vivendi Universal

Geboren am 13. Dezember 1956 in Grenoble Jean-Marie Messier studierte auf der France Ecole Polytechnique und der Ecole Nationale d“Administration. Seine berufliche Laufbahn begann er 1982 im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, zunächst als Inspecteur des Finances. Bis 1988 arbeitete Messier dort als Kabinettschef, als stellvertretender Minister mit der Zuständigkeit für das Privatisierungsprogramm der Regierung und zuletzt als Berater von Minister Edouard Balladur. 1989 wechselte er in die Privatwirtschaft und wurde Hauptgesellschafter der Investmentbank „Bank Lazard Frères et Cie“. Im November 1994 wurde er CEO und Vorstandsvorsitzender der Compagnie Générale des Eaux. Als aus diesem Unternehmen im Juni 1996 der Mischkonzern Vivendi entstand, übernahm er den Posten des Chairman und CEO, den er bis zur Fusion mit Seagram im Dezember 2000 innehatte. Seither ist Messier CEO und Chairman von Vivendi Universal.

bilanzergebnisse

Der Vivendi-Universal-Konzern hat im zweiten Quartal 2001 einen Umsatz von 6,59 Milliarden Euro und ein EBITDA von 1,3 Milliarden Euro erzielt. Damit wurden die Werte des Vorjahrs (5,786 Milliarden beziehungsweise 830 Millionen Euro) deutlich übertroffen.

Im Musikbereich stieg das EBITDA im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent von 232 auf 271 Millionen Euro, im Bereich Film & TV um 84 Prozent von 171 auf 314 Millionen Euro. Tief in der Verlustzone steckt indes weiterhin der Internetbereich. Hier verbuchte das Unternehmen im zweiten Quartal Verluste in Höhe von 39 Millionen Euro.

Im gesamten ersten Halbjahr liegt der Konzernumsatz bei 12,4 Milliarden Euro und der EBITDA bei 2,2 Milliarden Euro. In der Musiksparte beträgt der Halbjahresumsatz knapp drei Milliarden Euro, während der EBITDA von 389 Millionen im Vergleichszeitraum 2000 auf 451 Millionen Euro wuchs.