Nach dem Ende von CMP Records, die die letzten drei CD-Produktionen – darunter auch seinen Kölner Geburtstagskonzertmitschnitt von 1993 – veröffentlicht hatte, erschienen von dem 58-jährigen Sänger, Komponisten und Multiinstrumentalist keine Alben mehr. Stattdessen tourte er unter anderem in der Band von Ringo Starr, nahm aber unentwegt neue Musik auf.
So hatte der gebürtige Schotte auf eigene Kosten die Bänder zu „Shadows In The Air“ produziert und befand sich in Verhandlungen mit einem amerikanischen Label, wie er im Gespräch mit musikwoche.de verriet: „Ich war mit ihren Bedingungen jedoch nicht einverstanden, als mir Gary Moore empfahl, doch einmal Joe Cokell, den President von Sanctuary, anzurufen.“ Cokell zeigte sich begeistert, so dass Sanctuary den studierten Musiker unter Vertrag nahm.
In Deutschland kommt „Shadows In The Air“ (Best.-Nr. 345.0102.2) im Zomba-Vertrieb in die Läden und wird alte Cream-Fans möglicherweise verwundern. Zwar sind mit „Sunshine Of Your Love“ und „White Room“ gleich zwei Klassiker aus seiner Zeit mit dem Power-Trio vertreten – Eric Clapton war sogar an den Neueinspielungen beteiligt -, aber dem Jazz- und Klassik-erfahrenen Bruce lag es fern, nostalgische Oldie-Fans zu bedienen. „Ich muss zwar zugeben, dass es Teil der Idee war, Cream-Fans mit den alten Songs anzulocken, aber ich wollte mit der Musik an meine Erfahrungen aus dem Album,Desire Develops An Edge“ von 1982 anknüfen, bei dem ich erstmals mit Kip Hanrahan zusammenarbeitete und der mich damals in die Latin-Welt einführte“.
Der als Bandleader bekannt gewordene Hanrahan, der in seinen Projekten immer wieder Latin und Avantgarde zusammengebracht hat, ist auch gemeinsam mit Musikern wie Dr. John, Gary Moore, Vernon Reid oder dem Buena-Vista-Social-Club-Star Luis „Changuito“ Quintana auf dem neuen Album zu hören. „Ich war schon immer an afrikanischer Musik interessiert, seitdem ich in den 60ern über Ginger Baker Fela Kuti persönlich kennengelernt habe.“ So entstand aus einem alten westafrikanischem Rhythmus zunächst das Stück „Boston Ball Game 1967“, das er bereits 1969 für sein Solo-Debüt „Songs From A Taylor“ aufnahm und für „Shadows In The Air“ im Latin-Gewand neu einspielte.
Bei den Aufnahme-Sessions entwickelte sich daraus zudem die Kollektivimprovisation „Directions Home“, die der gebürtige Schotte seinen ehemaligen Mitmusikern, den inzwischen verstorbenen Tony Williams und Larry Young widmete. Mit den beiden hatte Bruce auf dem zweiten Album der legendären Jazzrock-Formation Lifetime, „Turn It Over“ von 1970, gespielt. Jüngst hat er die neue CD mit nahezu allen Stars der Studioaufnahme einem Londoner Publikum präsentiert, im Oktober will er es live in Deutschland vorstellen. Es sollen noch zwei weitere CDs mit Latin-Musik erscheinen, wobei die dritte in Kuba mit ausschließlich neuen Songs entstehen soll.


