Folkert Koopmans: Die seit Anfang 2002 eingeführte Lösung ist fair und praktikabel.
Wöste: Ich sehe den Fall nicht als erledigt an. Es sollten weitere Änderungen vorgenommen werden. Dahingehend, dass jeder ausländische Künstler genauso wie seine deutschen Kollegen sein Einkommen selbst versteuert und wir entsprechende Bruttogagen vereinbaren können.
Semmelmann: Situation verbessert – aber immer noch eine ungerechte Benachteiligung für die Veranstaltungsbranche.
Fleischmann: Von denen erwarte ich im weitesten Sinne gar nichts. Hier gehen Jahre ins Land, bis Steuerreformen eintreten. Ich habe auch kein Problem damit, wenn gutbezahlte Künstler hier ihre Abgaben zahlen – problematisch wird es aber bei den Newcomern, die kaum von ihren Gagen leben können. Hier besteht schneller Handlungsbedarf.
Seliger: Das Problem ist immer noch existent, die Steuerungleichheit zwischen deutschen und ausländischen Künstlern, zwischen kleinen und großen Bands ist nach wie vor skandalös. Und dass die Ausländersteuer überall im Land von den Finanzämtern unterschiedlich gehandhabt wird, erinnert an Zeiten barocker Kleinstaaterei. Von der Politik erwarte ich mir gar nichts.
Jahnke: Der Verband der Deutschen Konzertdirektionen, in dessen Vorstand ich bin, hat auf diesem Sektor viel erreicht. Wir gehen davon aus, dass es uns gelingen wird, weitere Verbesserungen zu erreichen.
Schwenkow: Ein erster Schritt ist getan, aber das reicht noch nicht. Die Regierung wollte vor den Wahlen etwas für mehr ausländisches Kulturgut in Deutschland tun, und auch jetzt wird sie sich durch eine erneute oder zusätzliche Senkung für die nichtsubventionierte Unterhaltungslandschaft einsetzen müssen. Ein Veranstaltersterben würde unweigerlich dazu führen, dass Rock-und Popkultur irgendwann subventioniert werden müsste und erhebliche Steuerzahlungen ausblieben. Wir sind Teilnehmer einer milliardenschweren Entertainmentindustrie – die Politik hat uns inzwischen entdeckt.
Lieberberg: Das Thema Ausländersteuer ist nach wie vor ein gravierendes Problem. Das Gesetz bleibt fragwürdig und skandalös. Es ist nicht einzusehen, warum jeder andere Freiberufler seine Einnahmen im Heimatland versteuern kann. Demgegenüber werden Künstler einer rigiden Besteuerung in horrender Höhe in Deutschland unterzogen, während sich die Veranstalter als Haftungsschuldner in einer Art Sippenhaft befinden. Hinzu kommt die sogenannte Künstlersozialversicherung. Eine weitere obskure Zwangsabgabe, die Ausländer – aber auch Inländer – zur Leistung eines Versicherungsbeitrags nötigt, in dessen Genuss sie nicht kommen können und der offenbar dazu dient, eine überflüssige Behörde zu finanzieren.
Löffler: Die Handhabung der bestehenden Regelung ist zum Glück mittlerweile größtenteils geklärt. Speziell die kleineren Bands profitieren davon, für die Veranstalter bedeutet das wesentlich mehr Arbeit.



