musikwoche.de: Herr Köhnsen, beschreiben Sie bitte ihren Background.
Wolfgang Köhnsen:Ich bin 1947 geboren, stamme aus einer Musikerfamilie. Von 1970 bis 1975 habe ich in Detmold Tonmeister studiert. Nach dem Diplom ging ich ans Thalia-Theater, seit 1983 bin ich Leiter der Tontechnik der Staatsoper Hamburg. Nebenbei habe ich eine ganze Reihe von CDs produziert.
mw: Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?
Köhnsen: Das kann ich umfassend noch nicht sagen. Fest steht aber, dass die Tonmeister ein Fahrwasser neuester technischer Entwicklungen durchschiffen müssen. Das bedeutet für den Verband, dass er sich darauf einstellen muss und auf richtungsweisende Techniken wie DVD und Surround Sound reagieren muss. Einerseits durch Kontinuität. Das was in unserer Satzung steht, hat uneingeschränkt nach wie vor seine Gültigkeit. Anderseits müssen wir uns bemühen, jungen Tonmeistern den Start zu erleichtern. Diesem Nachwuchs wollen wir unser Wissen und unsere Erfahrungen vermitteln. Zumal die Zeiten der großen Firmen mit vielen Tonmeistern vorbei sind und es immer mehr selbstständige Tonmeister gibt – um die müssen wir uns kümmern. Es ist jetzt schon so, dass in unserem Verband mehr selbstständige Tonmeister sind als angestellte, und die Entwicklung geht weiterhin in diese Richtung. Also trete ich für Evolution ein.
mw: Was sind ihre persönlichen Ziele als Präsident des VDT?
Köhnsen: Dass wir die neue Struktur, die sich mit dieser Entwicklung eröffnet, optimal bedienen. Das heißt zum einen, dass wir uns sehr um junge Tonmeister kümmern. Wenn die typische Alterspyramide sich entgegen dem Trend entwickeln würde, wäre das sehr schön für uns. Dabei sieht es momentan ganz danach aus: Wir haben überproportional viel Nachwuchs. Viele Studenten interessieren sich für uns, was auch aus den guten Kontakten zu den Ausbildungsstätten, der Tonmeistertagung und den diversen Seminaren resultiert.
mw: Wieviele Mitglieder zählt der VDT heute?
Köhnsen: Ziemlich genau 1.430. Die Tendenz ist also steigend. Für eine Aufnahme gibt es klare Kriterien. Zum Beispiel muss das potenzielle Mitglied eigene Aufnahmen machen, möglichst eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium nachweisen können. Oder aber – wie in der Rock-und Popszene durchaus üblich – genügend Erfahrungen gesammelt haben. In jedem Fall muss er als Tonmeister oder Toningenieur tätig sein.
mw: Warum lohnt es sich, Mitglied beim VDT zu werden?
Köhnsen: Da gibt es einige Argumente: Kollegialen Erfahrungsaustausch, technische und künstlerische Informationen, Vergünstigungen bei Seminaren, den Tonmeistertagen und günstigeren Versicherungsschutz. Wir bieten eine Rechtsberatung zum Beispiel bei Vertragsabschlüssen zur Erlangung der Leistungsschutzrechte. Wir helfen auch, wenn jemand beruflich in Schwierigkeiten gerät, sprechen dann auch mal mit dem Arbeitgeber. Kurz: Wir bemühen uns, die Interessen unserer Mitglieder wahr zu nehmen.



