musikwoche.de: Stimmt der Eindruck, dass Viva diesmal besonders viel Wert auf viele internationale Stars gelegt hat? Stefan Kauertz: Das stimmt. Schon das ganze Jahr über habe ich mich zusammen mit der gesamten Programmdirektion um die Besetzung gekümmert. Am Ende können wir sagen, dass die Planung des Line-Ups 2002 noch besser aufgegangen ist als im vergangenen Jahr. Denn es ist niemals einfach, solche Namen nach Köln zu holen.
mw: Also eine Steigerung gegen-über dem vergangenen Jahr? Kauertz: Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass wir dieses Jahr die Veranstaltung auf ein ganz anderes Level gehoben haben. Der Comet ist so international besetzt wie nie zuvor. Stolz bin ich auf die US-Künstler, und besonders freue ich mich auf Ashanti. Sie steht vor einer Weltkarriere. Und mit dem Comet wollen wir sie natürlich bei ihrem Siegeszug unterstützen.
mw: Verstehen Sie den Comet noch als Forum für Newcomer-Bands? Kauertz: Uns geht es um die ganze Breite des Spektrums, aber alle unsere Künstler, die hier auftreten, sind Top-20-Künstler – von aufstrebenden Bands bis hin zu Superstars wie Alanis Morissette, Anastacia, Master P oder Puddle Of Mudd.
mw: Gibt es Highlights? Kauertz: Man kann sich durch das Programm hangeln und entdeckt nur Highlights. Aber ein Höhepunkt ist mit Sicherheit Herbert Grönemeyer, der erstmals nach zwei Jahren wieder auftritt. Und auch Bro“Sis und die No Angels gemeinsam auf einer Bühne – ich denke nicht, dass es das bisher schon einmal gegeben hat und auch später wohl nicht wieder geben wird. Der Comet ist für alle bei uns der absolute Höhepunkt im Viva-Jahr.
mw: Gibt es jetzt nach der verlorenen Marktführerschaft einen guten Grund, zu feiern? Kauertz: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Schließlich feiern wir den Comet nicht trotzdem oder deswegen. Wir können erhobenen Hauptes feiern, denn für mich bedeuten die zuletzt veröffentlichten Zahlen einen Gleichstand, da der Vorsprung von MTV nur minimal ist.
mw: Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Kauertz: Wir sind immer noch gleichauf, und Viva hat allen Grund, sehr positiv in die Zukunft zu sehen. Zudem ist in diesem Segment der Kuchen so klein, dass bei mir keine Panik ausbricht. Es haben noch nie so viele Menschen Viva geschaut wie zurzeit. Folglich werden unsere Gäste keine langen Gesichter zu sehen bekommen. Es verhält sich doch so: Wenn MTV mal ein Programm-Highlight hatte, so haben wir nun mit dem Comet das nächste ganz klar auf unserer Seite. Und im Herbst und Winter wird Viva mit einigen Überraschungen aufwarten, auch wenn sich derzeit keine Marke von der jeweils anderen um Lichtjahre entfernen kann.
mw: Droht dem Comet als Veranstaltung vor Ort und auch im Fernsehen nach acht Jahren nicht die Gefahr der Routine? Kauertz: Das ist eine gute Frage, die wir uns direkt nach jeder Veranstaltung wieder stellen. Man kann immer versuchen, das Line-Up zu toppen, was uns dieses Jahr gelungen ist. Andererseits arbeiten wir beständig am Konzept der Veranstaltung. Da haben wir mit Michael Mittermeier als Moderator einen weiteren Schritt nach vorn unternommen.
mw: Inwiefern halten Sie das für einen Schritt nach vorn? Kauertz: Wir hatten im vergangenen Jahr mit Sasha erstmals einen Nicht-Viva-Moderator auf der Bühne. Aber mit Mittermeier als Comedian kommt eine ganz andere Qualität in die Unterhaltungsebene – so wie der Oscar ja auch von Leuten wie Billy Crystal moderiert wird. Unser Moderator ist dieses Jahr auf der Bühne selbst ein Performer. Das wertet die ganze Veranstaltung auf und hebt sie auf die nächste Ebene, wo sie hoffentlich auch Leute entdecken, die den Comet vorher noch nicht wahrgenommen haben.
mw: Gibt es Neuerungen bei der Zusammenarbeit mit dem ZDF? Kauertz: Wir haben im vergangenen Jahr bemerkt, wie wahnsinnig gut die Kooperation mit dem ZDF gelaufen ist – ob beim Ablauf, der Betreuung der Künstler oder der reibungslosen Verbindung der Teams. Wir sind sehr froh, dass sich die Zusamenarbeit so gut eingespielt hat und sagen: „Never change a winning team.“
„Comet ist Premium-Veranstaltung“
mw: Die musikalische Hoheit liegt nach wie vor bei Viva? Kauertz: Genau. Wir sind für die Auswahl der Künstler zuständig. Unsere Mainzer Kollegen entscheiden lediglich, welche Acts sie für ihren anderthalbstündigen Zusammenschnitt auswählen. Und da ist ihnen die Selektion noch nie so schwer gefallen wie in diesem Jahr!
mw: Die Werbe-Etats sinken überall. War es leicht, Sponsoring-Partner wie Evian, Nokia oder debitel zu finden? Kauertz: Ja, aber als Highlight des Sommers und im Verbund mit den attraktiven TV-Ausstrahlungen schmückt sich die werbetreibende Industrie gern mit dem Comet. Er ist eine absolute Premium-Veranstaltung, von denen es nicht allzu viele in Deutschland gibt.
mw: Aber ist nicht auch die Sat.1-Veranstaltung „Popkomm. Gala – Stars 2002“ bei der Fernsehverwertung zunehmend ein Konkurrent für den Comet? Kauertz: Die Sat.1-Show hat am Freitagabend einen sehr guten Sendeplatz. Aber beim Vergleich der Line-Ups denke ich nicht, dass uns der Privatsender etwas vorwegnimmt, auch wenn es immer einzelne Überschneidungen beim Programm gibt. Wir haben dadurch keine schlechteren Quoten, ganz im Gegenteil: Die Show erzeugt noch mehr Aufmerksamkeit für unsere Veranstaltung.



