musikwoche.de: War die Entwicklung, die beinahe zur Absage der GDA geführt hätte, absehbar?
Clemens Wittkowski: Obwohl dieses Jahr das schwerste für die Branche war, seit ich denken kann, war diese Entwicklung so nicht absehbar. Die GDA sind eine Konstante, die den Erfolg der elektronischen Musik öffentlich macht und dazu beiträgt, diese Musik, alle Künstler sowie neue Strömungen nicht nur zu unterstützen, sondern aktiv weiterzuentwickeln. Schon bei den ersten GDA war sehr schnell abzusehen, dass diese Veranstaltung für das Genre Dance und die daran anhängende Infrastruktur eine kongeniale Plattform ist.
Anfängliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Awards, wenn sie von unabhängigen und in diesem Markt sehr bedeutenden Unternehmen wie Public Propaganda und Discomania veranstaltet werden, sind nun endgültig ausgeräumt. Denn mit aktiver Arbeit und sehr guten Ergebnissen konnten wir unsere Überzeugung, dass die GDA auf lange Sicht nur eine Perspektive haben, wenn sie so neutral und objektiv wie notwendig verliehen werden, sehr gut in die Branche kommunizieren. Von daher gehe ich von einer vielversprechenden Zukunft für die GDA aus.
mw: Welche Gründe führten zur Beinahe-Absage der Gala?
Wittkowski: Die GDA 2001 waren im Vergleich zu den ersten beiden Awards noch besser vorbereitet und bis ins kleinste Detail organisiert. Man ist dann jedoch nur noch zum Zusehen verurteilt, wenn sich auf einmal die welt- und wirtschaftspolitische Lage dramatisch ändert, Ängste bei Sponsoren entstehen und große Etats auf einmal zurückgezogen werden. Das hat dieses Jahr viele getroffen, leider überraschend auch uns – und zwar in einer Größenordnung, die uns zu neuen Entscheidungen zwang.
mw: Was rettete die die GDA?
Wittkowski: Nachdem in der Branche bekannt wurde, dass die Awards im Rahmen eines Empfangs ohne offizielle Gala und Aftershow-Partys bekannt gegeben würden, sagten viele: Die GDA müssen stattfinden – und zwar mit Show und Partys! Diese Solidarität der Branche drückt sich nun unter anderem dadurch aus, dass jeder Zuschauer eine Karte zu einem erhöhten Preis von 280 Mark kauft und damit zur Refinanzierung beiträgt. Darüber hinaus wurden uns einige Sponsoren vermittelt, die einen kleineren Etat zur Verfügung stellen.
mw: Verwässern mehr kommerzielle Preise das ursprüngliche Konzept?
Wittkowski: Die GDA hatten ja schon von Anfang an kommerziell messbare Preise. Auch innovative Produktionen haben kommerziellen Erfolg, und den sollen sie auch haben. Es gibt vielfältige Meinungen genau über diese Frage: Manche sehen die Awards als viel zu kommerziell an, viele andere kritisieren, dass bei den GDA vor allem Kritikerpreise verliehen werden, bei denen es nicht unbedingt um kommerziellen Erfolg geht. Mit den 24 Kategorien haben wir eine überaus repräsentative Form erarbeitet, worauf sich der Großteil einigen kann. Alles, was in das Musikgenre Dance fällt, hat seine Berechtigung.
mw: Sind die GDA etabliert?
Wittkowski: Ich sehe sie in den Top fünf der deutschen Musik-Events, weil sie die einzige deutsche Award-Verleihung sind, von der sich die Szene, ihre Stars, die Medien und die Musikindustrie gleichermaßen angesprochen fühlen und mit der sie sich voll identifizieren.




