musikwoche.de: Wie entwickelt sich Koch Universal in diesem schwierigen Marktumfeld?
Franz Selb: Auf jeden Fall wesentlich besser. Wir kennen keine zweistelligen Minus-Bereiche. Im Schlagerbereich sind wir nicht diesen extremen Marktschwankungen unterworfen wie beispielsweise die Pop-Branche.
mw: Gelten denn auch im Schlagerbereich andere Regeln als in der Pop-Branche?
Selb: Die Regeln sind wohl die gleichen. Nur wer mit seiner Musik den Nerv des Konsumenten trifft, hat auch Erfolg. Der Unterschied liegt vielmehr in der Fanbindung, die im Schlagerbereich viel intensiver ausgeprägt ist, als bei Pop-Interpreten. Die Schlagerkünstler haben über Jahre hinweg ihre Fangemeinde aufgebaut, veröffentlichen kontinuierlich jedes Jahr, treten viel öfter live auf und sind greifbarer als internationale Popstars. Es werden vom Schlagerpublikum neben den großen Hits auch Titel gekauft, die nicht so erfolgreich sind.
mw: Sehen Sie einen Weg aus der Krise?
Selb: Eine Möglichkeit, aus dem Tief wieder herauszukommen, sehe ich darin, dass die TV-Verantwortlichen wieder respektvoller mit Schlager umgehen und den knapp acht Prozent Marktanteil am Gesamtmarkt wieder mehr Tribut zollen. Mit dem Absetzen aller Schlagersendungen, wie der „ZDF Hitparade“ oder dem „Schlagermagazin“ ist dem Schlagergeschäft jegliche Plattform genommen worden. Auch beim „Grand Prix“, der ja ursprünglich eine Bühne dafür war, hat Schlager nach Aussage der Verantwortlichen nichts mehr zu suchen. Das Publikum wird somit auch auf neue Produkte, auf neue Künstler gar nicht mehr aufmerksam gemacht. Dieses Publikum will auch im Fernsehen mit Schlagermusik bedient werden. Ich sehe hier vor allem auch für die Privaten eine große Chance, genrebezogene Sendungen zu kreieren. Wie erfolgreich so ein Konzept sein kann, haben die Oldie-Shows bewiesen.



