Musik

Interview mit Eva Bauer-Oppelland

„Musiker sind momentan auf Wartestellung“

musikwoche.de: Weshalb nehmen so viele deutsche Künstler im Ausland auf? Eva Bauer-Oppelland: Ein Grund könnte sein, dass sich der Hinweis „Recorded in New York“ auf einer CD aus Imagegründen besser macht. Vor allem im Jazz ist das so. Bei vielen Musikern spielt auch die Umgebung eine große Rolle; Rockbands finden es an der Adria eben oft viel schöner als im Ruhrpott. Der Trend geht aber auch dahin, dass sich viele Künstler mit bekannten Produktions-Partnern ihr eigenes Image aufbauen wollen. Und dabei haben die ausländischen Produzenten und Toningenieure zweifellos einen Vorsprung, denn sie haben es besser verstanden, mit den Credits zu operieren und sich damit einen guten Namen zu machen. Es gibt auch in Deutschland gute Leute, aber die haben sich meist nicht so sehr um ihr Image gekümmert.

„Eigentlich müsste es genug Arbeit geben“

mw: Wie hat sich in der Studioszene die Euro-Einführung bemerkbar gemacht. Wurde auch hier der Euro zum Teuro? Bauer-Oppelland: Bestimmt nicht, wie ich auch von vielen Kollegen weiß. Im Gegenteil: Es ist eher billiger geworden. Wir haben zum Beispiel die Mark-Preise durch zwei geteilt, sie also nach unten abgerundet.

mw: Wie beurteilen Sie den Standort Deutschland für die Tonstudioszene? Bauer-Oppelland: Eigentlich müsste es für alle genug Arbeit geben, auch wenn es im letzten halben oder dreiviertel Jahr etwas ruhiger geworden ist. Die Musiker sind momentan auf Wartestellung, was zu einer gewissen Stagnation führt. Für uns ist es außerdem ein Nachteil, dass es keine deutschen Plattenfirmen mehr gibt – abgesehen von den ganz kleinen. Die besetzen zwar gute Nischen, spielen für uns aber keine so große Rolle, da die Budgets sehr klein sind und solche Produktionen dann eher in kleineren Studios gemacht werden. Außerdem wurde, ein weiterer Vorwurf an die Majors, kein Künstleraufbau betrieben.

mw: Wie ließe sich diese Stagnation vertreiben? Bauer-Oppelland: Man sollte die Medien direkt ansprechen. Zum Beispiel die Radiosender, die mit ihrem Einheitsbrei auf allen Kanälen dazu beitragen, dass die Vielfalt verloren geht. Wenn Radioredakteure sagen, sie finden ein Musikstück wunderbar, hätten aber keinen Sendeplatz dafür, dann ist das eine Schieflage. Vor allem die Öffentlich-Rechtlichen sind hier aufgefordert, entgegen zu steuern. Für die Studioszene wäre gerade das Mittelfeld wichtig – aber das gibt es ja nicht mehr, weil es keine Präsentationsmöglichkeiten mehr gibt. Die Medien hätten hier großen Einfluss – und vielleicht sollte man wieder mal über eine Länderquote nach dem Vorbild Frankreichs und Italiens nachdenken.

mw: Nennen Sie doch mal ein paar triftige Gründe, warum Künstler nicht ins Ausland fahren sollen, sondern nach Stuttgart ins Bauer-Studio. Bauer-Oppelland: Für uns ist es selbstverständlich, dass wir für die Künstler eine fachlich professionelle Betreuung und eine Atmosphäre bieten, in der das Umfeld stimmt. Die Künstler können sich hier ganz auf ihre Musik konzentrieren. Das ganze Drumherum wird ihnen abgenommen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist – so nehme ich an -@sogar besser als im Ausland. Auch ist in großen deutschen Studios die technische Grundausstattung oft viel besser. Viele Geräte, die man im Ausland dazumieten muss, gehören bei uns zum Standard. Und hier in Ludwigsburg ist es gar nicht so übel. Auch hier gibt es gutes Essen und guten Wein. Wem es also bei einer Produktion nicht auch um Urlaubmachen geht, kann man bei uns sehr gut und sehr effizient arbeiten.

mw: Ihr Studio ist mit DVD-Technik ausgestattet. Worin sehen Sie den Vorteil dieses Formats? Bauer-Oppelland: Man muss es hören, dann versteht man es: Erst wenn man von DVD 5.1 auf Stereo zurückschaltet, erkennt man die neue Klangdimension dieses Systems. Das ermöglicht übrigens völlig neue kreative Ansätze, wobei dann auch die Musiker gefragt sind, die in einer Drei-Dimensionalität arrangieren müssen. Das Problem von DVD-Audio ist, dass es nicht so schnell mit der Markteinführung gehen wird wie mit der CD.

„DVD bietet neue kreative Ansätze“

mw: Wieviel teurer wird eine DVD 5.1-Produktion? Bauer-Oppelland: Das kann man nicht pauschal sagen, aber man sollte bei neuen Produktionen die Aufnahmen schon in diese Richtung andenken und auslegen. Eine Mischung in Mehrkanaltechnik ist nicht viel aufwändiger als ein Stereomix, und wenn man dann noch zwei bis drei Tage auf Stereo für CD runtermischt, fallen die Kosten kaum ins Gewicht.

Bauer Studios Markgröninger Straße 56

71634 Ludwigsburg

Telefon: 071 41/22 68-0

Internet: www.bauerstudios.de

Geschäftsführer: Eva Bauer-Oppelland, Reiner Oppelland

Aktuelle Produkte: „The Clarinettist“ mit Paquito D’Rivera (Grammy-Nominierung 2002) „Postcard“ von Rosanna & Zélia (Peregrina Music)