Musik

Internationales Symposium zum Stand des Online-Vertriebs: Kampf gegen Downloads weiterhin im Fokus

Ein Symposium unter dem Titel „Wie gewinnt Online-Musik an Fahrt?“ beleuchtete die Bedeutung des Internets für die Entwicklung der Musikwirtschaft. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen rechtliche und technische Probleme der Branche.

Am internationalen EMN Open E-Commerce Symposium, das im Rahmen des EU-Projekts European Music Navigator (EMN) erstmals Ende März in den Gebäuden des Wiener mica stattfand, nahmen Referenten aus ganz Europa und den USA teil. Rund 150 Vertreter aus Musikwirtschaft, Institutionen und dem Kulturbetrieb sowie Musiker reisten dazu aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Belgien, der Tschechei, Italien und der Schweiz an. Die Panelbeiträge beleuchteten rechtliche, politische, wirtschaftliche und soziale Faktoren, die der Musikwirtschaft den Weg ins Internet erschweren. Praxisorientierte Marktübersichten über Produkte, Serviceangebote und Technologien ergänzten die Vorträge. Den Auftakt zum Kongressmarathon machte der Münsteraner Medienrechtler Prof. Dr. Thomas Hoeren: Bei der derzeitigen Rechtslage in Deutschland und Europa hätten die Maßnahmen der Musikindustrie gegen sinkende Profite, insbesondere ihr Kampf gegen die illegalen Download-Plattformen, langfristig kaum Aussicht auf Erfolg, erklärte er.

Andere Strategien, wie Pauschalabgaben etwa auf CD-Rohlinge und -Brenner, würden zwar den Urhebern Geld einbringen, nicht aber der Musikwirtschaft. Ein weiterer Höhepunkt des Symposiums war der Auftritt von Jim Griffin, CEO Cherry Lane Digital. Griffin polemisierte gegen CD-Kopierschutzmechanismen, das Digital Rights Management und das Bestreben der Musikindustrie, Musik im Internet restriktiv zu kontrollieren. Seine Kernthese: Mit elektronischen Maßnahmen könne es die Branche nicht schaffen, die Abermilliarden über das Internet getauschten Songs zu kontrollieren. Griffin machte vielmehr den Vorschlag, Musik im Internet gänzlich freizugeben und alle Nutzer per Flat-Fee zur Kasse zu bitten. Den Abschluss bildeten Präsentationen zu Perspektiven der Online-Distribution aus Sicht der Rechteinhaber: Philippe Kern, Generalsekretär der Indie-Organisation Impala, und Gerd Leonhard, Gründer von Licensemusic.com, skizzierten Strategien und Business-Modelle der nächsten Generation. Zwar blieben die Panelisten Hinweise auf den Ausweg aus der Branchenmisere schuldig, machten aber klar, dass es künftig nurmehr im Dialog miteinander gehe, und die Musikindustrie sich aus ihrer Angststarre lösen und dem Medium Internet befreit und positiv begegnen müsse.