Die Chancen, dass sie auch auf internationalem Parkett Erfolg hat, stehen nicht schlecht, denn Tina Dico verfügt über eine außergewöhnliche Stimme und über das Talent, Songs zu schreiben, die sich sofort im Ohr festsetzen. Auf Manierismen verzichtet sie dabei zum Glück. Bereits ihre ersten beiden Alben, die sie in Dänemark auf dem eigenen Label, Finest Gramophone, herausbrachte, zeigten, dass hier eine Songwriterin von besonderem Format heranreifte.
Nicht ohne Grund wurde sie in Dänemark mit Preisen überhäuft und machte der internationalen Konkurrenz in den dänischen Charts das Leben schwer. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie den Durchbruch auch international ansteuerte.
Bereit für das Risiko
„Für mich war es eine absolut natürliche und logische Entscheidung“, berichtet Tina Dico. „Dänemark ist ein sehr kleines Land, in dem man sehr schnell an seine Grenzen stößt. Zudem singe ich schon immer in Englisch, und so war es für mich keine große Sache, meinen Wohnsitz nach London zu verlegen.“
Die Sängerin ging in ihrem Leben noch nie einem Risiko aus dem Weg, sie liebt die Herausforderung, wie sie sagt. „In der Tat war es nicht leicht, in England Fuß zu fassen. Ich kannte niemanden“, berichtet sie. „Es war eine sehr schwierige Zeit, in der ich endgültig den Entschluss fasste, die Musik komplett in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen.“ Das war keine leichte Entscheidung und durchaus mit Angstgefühlen verbunden, denn Tina Dico konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie ihren Lebensunterhalt lediglich mit Musik bestreiten könnte.
Versteckte Songtexte
„In meiner Jugend spielten Rock- oder Popstars nicht die geringste Rolle für mich. Ich habe mich mit dieser Möglichkeit schlicht und einfach nicht beschäftigt.“ Während ihrer Zeit an der Universität stellte sie dann bald fest, dass sie den ganzen Tag sowieso nichts anderes tat, als Songs und Texte zu schreiben. Mit dem Schreiben von Songs hatte sie schon im Alter von zehn Jahren begonnen – allerdings nur im Verborgenen.
Es dauerte Jahre, bis sie sich damit dem Urteil der Umwelt stellen konnte. „In Dänemark besuchte ich sogar einige Jahre die Royal Academy Of Music. Aber ich war eine sehr schlechte Schülerin, weil ich viel zu sehr mit meiner eigenen Musik beschäftigt war“, erzählt die Songwriterin. „Theorie hat mich damals einfach nicht interessiert.“
Eigene Visionen
Tina Dico wollte sich außerdem nicht vom schulischen Apparat unterkriegen lassen. Dass sie dabei recht erfolgreich war, lässt sich jetzt auf dem Album „In The Red“ nachhören. Als Produzent fungierte dabei Chris Potter, der schon Alben von Blur oder Richard Ashcroft den letzten Schliff verpasst hat.
Von den ersten beiden Platten schafften es nur drei Songs auf ihren dritten Longplayer. Die anderen Stücke passten einfach nicht zum neuen Repertoire. „Im Nachhinein bin ich glücklich, dass ich über all die Jahre an meinen Visionen festgehalten habe“, meint Tina Dico.
Stücke wie „Room With A View“ oder „The City“ enthalten viele autobiografische Details. „Mir fällt es sehr viel leichter, über Dinge zu singen, zu denen ich eine Beziehung herstellen kann“, sagt die Sängerin. „Es muss nicht unbedingt eine Story sein, die ich selbst erlebt habe, aber ich muss mich darin wiederfinden können.“


